Unter dem Motto „MS – Vieles ist unsichtbar“ stand der „11. Welt-MS-Tag“, den die DMSG Hessen in der Darmstädter Innenstadt mit einer auffälligen Aktion beging: Auf dem Luisenplatz lud ein „begehbares Gehirn“ zum Erkunden ein. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, einen neugierigen Blick ins Innere dieses lebenswichtigen Organs zu werfen. Zum Auftakt sprach der Darmstädter Stadtrat Uwe Schneider, der selbst an Multiple Sklerose erkrankt ist und anderen MS-Betroffenen Mut machen möchte. Der Geschäftsführer der DMSG Hessen, Bernd Crusius, nutzte den Welt-MS-Tag, um für den Umgang mit MS-Betroffenen zu sensibilisieren und über die nach wie vor unheilbare Erkrankung aufzuklären. Nachgefragt waren daher auch die stündlichen Rundgänge von Neurologen durch das Gehirnmodell während des Tages.

Um auf die nach wie vor unheilbare Erkrankung Multiple Sklerose aufmerksam zu machen und Berührungsängste abzubauen, hatte die DMSG Hessen für den heutigen Welt-MS-Tag in Darmstadt eine auffällige Aktion vorbereitet: Nach Frankfurt in 2017 und Kassel im vergangenen Jahr machte das begehbare menschliche Gehirnmodell (3,15 Meter breit, 2,85 Meter lang, 2,15 Meter hoch) auf dem Luisenplatz im Herzen der Wissenschaftsstadt Station. Mit Hilfe der dreidimensionalen Darstellungen veranschaulichte das Modell, wie das Gehirn funktioniert, wie es aufgebaut ist, welche Folgen Krankheitsbilder wie die MS auf das Organ haben und welche Symptome MS hervorrufen kann. Symptome, die einem Betroffenen oft nicht anzusehen sind. Das weiß der Darmstädter Stadtrat Uwe Schneider aus eigener Erfahrung. Er selbst hat vor 20 Jahren die niederschmetternde Diagnose erhalten, sich aber nicht unterkriegen lassen. „Ich möchte Mut machen und zeigen, was mit MS alles möglich ist. Ich bin Vollzeit berufstätig, Geschäftsführer, Stadtrat und in vielen Vereinen aktiv. Ich bin vital und lebensfroh“, sagte der Stadtrat in seiner Begrüßungsrede auf dem Luisenplatz, betonte aber auch, dass der Krankheitsverlauf bei jedem Einzelnen ganz individuell sei: Denn MS sei die Erkrankung der 1000 Gesichter. Wichtig seien eine frühe Diagnosestellung sowie Therapiebeginn und eine gute Sozialberatung wie sie die „exzellente MS-Beratungsstelle der DMSG Hessen anbietet“.  Ein Lob an die Adresse der Sozialberaterinnen Inke Reinhardt und Petra Tamleh von der Beratungsstelle in der Ahastraße 5, das der Geschäftsführer der DMSG Hessen, Bernd Crusius, in seiner Begrüßung mit Nachdruck unterstützte.

Zudem pflichtete Bernd Crusius den Aussagen Schneiders bei.  „‘Keiner sieht´s. Eine(r) spürt´s: MS – vieles ist unsichtbar‘ lautet das Motto des diesjährigen Welt-MS-Tags. Mit dem begehbaren Gehirn hier in der Darmstädter Innenstadt, möchten wir sichtbar machen, was bei der neurologischen Erkrankung Multiple Sklerose in diesem lebenswichtigen Organ passiert und welche körperlichen und kognitiven Symptome MS bei Betroffenen auslösen kann“, betonte der Geschäftsführer der DMSG Hessen und verdeutlichte: „Ein schwankender Gang, weil die Koordination eingeschränkt ist, eine Hand, die nicht mehr gut greifen und der mal eine Tasse entgleiten kann, oder eine abnorme Müdigkeit, die Fatigue, sind beispielsweise  Symptome, die für Außenstehende schwer nachvollziehbar sind. Oft hören MS-Betroffene Aussagen wie ‚Reiß‘ Dich mal zusammen!‘, ‚Konzentrier‘ Dich!‘ oder ‚Ich bin auch oft nach der Arbeit hundemüde‘. Viele MS-Betroffene leiden sehr unter diesem Unverständnis ihres Umfelds. Daher möchten wir den Welt-MS-Tag nutzen, um für den Umgang mit MS-Betroffenen zu sensibilisieren und über die nach wie vor unheilbare Erkrankung aufzuklären.“

Dr. Günter Hedtmann (Ärztlicher Beirat DMSG Hessen) hob in seiner Rede neben der medikamentösen Therapie, die in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht hat, die Wichtigkeit der Selbsthilfe im Umgang mit der Erkrankung hervor. Projekte wie die Online-Kennenlern-Plattform „MS Connect“, die die DMSG Hessen mit entwickelt habe, seien zeitgemäße und notwendige Kommunikationsformen für MS-Betroffene, betonte der Neurologe, der wie weitere Kollegen aus Darmstadt, Offenbach, Wiesbaden und Frankfurter Interessierten in Rundgängen das begehbare Gehirn erläuterte.

Auch vier Schulklassen von der Gutenbergschule, der Akademie Mission Leben sowie vom Abendgymnasium Darmstadt schauten beim Welt-MS-Tag auf dem Luisenplatz vorbei und erkundeten das Gehirnmodell. „Das ist eine sehr anschaulicher und plastischer Einstieg in das Unterrichtsfach Pathologie“, sagte Elisabeth Straßner, Lehrerin für Heilerziehungspflege an der Akademie Mission Leben. Zudem konnten die Schüler an der „Fühlstraße“ Symptome der MS wie Sehstörungen, Gleichgewichtsprobleme oder Taubheitsgefühle nachempfinden.

Großen Zuspruch gab es auch am Infostand der DMSG Hessen. Interessierte konnten sich  über die Arbeit, die vielfältigen Angebote und das hessenweite Netzwerk der MS-Selbsthilfeorganisation informieren und mit den Sozialberaterinnen ins Gespräch kommen. Auch waren Vertreter der örtlichen MS-Selbsthilfegruppen, des MS-Treffs Darmstadt, der „Radfahrlust“ von Klaus Vock sowie des Freundeskreises der Darmstädter MS-Gesellschaft auf dem Luisenplatz, stellten sich vor und führten zahlreiche Gespräche mit MS-Betroffenen, Angehörigen, Freunden oder Bekannten von MS-Betroffenen. Ebenfalls am Infostand waren  Rechtsberater des Sozialverbandes VdK sowie die Neurowerkstatt Pfungstadt unter der Leitung von Dr. Mareike Schwedt. In der benachbarten Engel-Apotheke referierte die Sportwissenschaftlerin über „MS und Sport“ sowie die Darmstädter Eutonietherapeutin  Birgit Leona Krengel über „Fitness für den Beckenboden“. Ein verlässlicher Partner der MS-Betroffenen in Darmstadt ist seit 40 Jahren die Servicegesellschaft Roundtable 24. Past-Präsident Philip Kunze warb daher beim Welt-MS-Tag für das Jubiläums-Grillfest von RT24 am 30. Juni beim Circus Waldoni, für das sich interessierte MS-Betroffene noch bis zum 14. Juni in der Beratungsstelle Darmstadt (Ahastraße 5) anmelden können. Auch jüngere MS-Betroffene möchte RT 24 für das Fest gewinnen, so Philip Kunze. Sonja Thelen