Kenntnisreich, informativ und kurzweilig hat Rechtsanwältin Marianne Moldenhauer im Rahmen der neuen Reihe „MS-Expertenforen Online“ durch den Themenkomplex „Und dann ist da diese anhaltende Schwäche – MS und (Schwer-)Behinderung“ geführt. Im Nachgang zum Forum hat die Expertin für die Teilnehmer, aber auch für  andere Interessierte umfassende Tipps, weiterführende hilfreiche Links und eine Übersicht an Infomaterialien zusammengestellt. 

TIPPS FÜR DEN ARZTBESUCH

Nicht nur MS-Erkrankten fällt die Schilderung von gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Arzt oft schwer. Die Mehrzahl von uns dürfte schon einmal die Erfahrung gemacht haben, dass einem erst nach dem Verlassen der ärztlichen Praxis wichtige Aspekte und Fragen eingefallen sind. Wir sind es nicht gewohnt, gesundheitliche Probleme treffend und detailliert zu schildern.

Hiergegen können Sie allerdings etwas unternehmen: Bereiten Sie sich künftig auf den Arztbesuch vor!

Damit Sie der Arzt/ die Ärztin umfassend und gut beraten kann, ist er auf Ihre Informationen angewiesen, und zwar nicht nur im Hinblick auf die MS-Erkrankung, sondern auch darüber, wenn Sie z. B. beabsichtigen, einen Antrag bei einem Sozialleistungsträger zu stellen, einen Antrag auf Anerkennung als schwerbehinderter Mensch auf den Weg bringen möchten, wenn Sie ein Kinderwunsch besteht, wenn Sie private Probleme haben oder wenn Probleme am Arbeitsplatz aufgetreten sind.

Machen Sie sich das immer wieder aufs Neue bewusst.

Sie sind also klug beraten, mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin offen zu sprechen und ihn zu informieren.

Vor dem Arztbesuch sollten Sie sich folgende Fragen beantworten:

  • Welche Beschwerden haben Sie und wie fühlt äußern sich diese? (Schmerzen können z. B. pochend, brennend, bohrend, reißend, stechend, ziehend, drückend, elektrisierend sein und auch die Stärke ist nicht immer gleich)
  • Seit wann treten diese Beschwerden auf?
  • Was erwarten Sie von dem Besuch beim Arzt

und

  • was können Sie evtl. selbst tun?

Fertigen Sie sich eine nach Möglichkeit eine Übersicht über Ihren bisherigen Krankheitsverlauf mit allen Symptomen, dem Erkrankungsbeginn und dem Zeitraum der Schübe oder dem Beginn weiterer Funktionsbeeinträchtigungen.

Notieren Sie bisher durchgeführte Untersuchungen mit Datum und Ort (z. B. in einem Patiententagebuch) und machen Sie sich Notizen zu bisherigen MS-bedingten Medikamenteneinnahmen (einschließlich rezeptfreier Medikamente und Nahrungsergän-zungsmittel). Sie evtl. Nebenwirkungen aufgetreten. Wurden Therapien durchgeführt? Bestehen neben der MS weitere Erkrankungen? Was ist mit diesbezüglichen Medikamenten, evtl. Unverträglichkeiten und Therapien?

Ihre Übersicht wird Ihnen ein wertvoller Begleiter sein, der es Ihnen ermöglichen wird, eventuelle Rückfragen des Arztes/ der Ärztin schneller und einfacher beantworten.

Wenn eine neue Therapie oder eine Therapieänderung ansteht, sprechen Sie Ihren Arzt/ Ihre Ärztin auf folgende Punkte an:

  • Welche Unterschiede bestehen zwischen den verschiedenen Therapieformen?
  • Wie oft und in welcher Form werden die jeweiligen Medikamente verabreicht?
  • Inwiefern wird die Therapie meinen Alltag beeinflussen? Was sind mögliche Nebenwirkungen der Therapie? Treten eventuell Symptome wie Müdigkeit, Übelkeit, Muskelschmerzen oder grippeähnliche Erscheinungen auf?
  • Wenn bei mir selbst oder in meiner Familie bereits Depressionen aufgetreten sind, darf ich dann das neue Medikament nehmen?
  • Wie häufig sind bei mir regelmäßige Laborkontrollen (z. B. Blutwerte) oder Kernspintomographien erforderlich? usw.

Daran sollten Sie während des Gespräches denken:

  • Verstehen Sie, was Ihnen der Arzt/ die Ärztin sagt bzw. erklärt? Scheuen Sie sich nicht davor, die gleiche Frage noch einmal zu wiederholen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben.
  • Werden evtl. verwendete Fremdwörter erklärt?
  • Wird Ihnen das Ziel der Behandlung deutlich?
  • Welche Wirkungen sind bei vorgeschlagenen Maßnahmen zu erwarten oder in Kauf zu nehmen? (Nutzen, Risiken, Auswirkungen auf den Alltag)
  • Wird begründet, warum gerade diese Behandlung oder Untersuchung für Sie empfehlenswert ist?
  • Gibt es Gründe, vorläufig nicht in den Krankheitsverlauf einzugreifen und zunächst abzuwarten und zu beobachten?
  • Bestehen Alternativen zu der vorgeschlagenen Untersuchung oder Behandlung? Z. B. gibt es andere Untersuchungsverfahren oder Therapien, wie wirken diese?

Um festzustellen, ob Ihnen die Diagnose oder die Art und Weise der Behandlung einleuchtet und ob Sie weitere Informationen benötigen, sollten Sie das Gespräch auch nachbereiten:

  • Sind Sie mit dem Gesprächsverlauf und dem Gespräch bei Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin insgesamt zufrieden?
  • Welche Empfehlungen nehmen Sie mit nach Hause?
  • Welche weiteren Schritte müssen Sie einleiten?
  • Gibt es für Ihr Krankheitsbild weiterführende Informations- und Hilfsangebote? Z. B. Broschüren, Selbsthilfegruppen oder Internetangebote.

Zur Vervollständigung Ihrer Unterlagen können Sie sich schließlich beim nächsten Arztbesuch oder über Ihren Hausarzt/ Ihre Hausärztin den ärztlichen Befundbericht aushändigen lassen!

 

WEITERFÜHRENDE HINWEISE, zum Beispiel:

www.bmas.de

dort: SERVICE

darunter: PUBLIKATIONEN, u. a.

  • Ratgeber für Menschen mit Behinderung (PDF)
  • Ratgeber für Menschen mit Behinderung: Gesetzestext (PDF)
  • Versorgungsmedizinische Grundsätze

www.rehadat-adressen.de

Nach Themen sortiert finden Sie Dienstleister, Organisationen, Beratungsstellen, Rehabilitations- und Bildungseinrichtungen sowie Anbieter inklusiver Beschäftigungsmöglichkeiten. Neben den Adress- und Kontaktdaten erhalten Sie eine Beschreibung zu Aufgaben und Angeboten der jeweiligen Stelle.

www.integrationsaemter.de

dort INFOTHEK

darunter u. a.

  • KONTAKTADRESSEN DER INTEGRATIONSÄMTER UND INTEGRATIONSFACHDIENSTE
  • ZB-ARCHIV
  • ONLINE-FACHLEXIKON ABC BEHINDERUNG UND BERUF
  • ZB Ratgeber: KÜNDIGUNGSSCHUTZ – Basiswissen kompakt
  • PUBLIKATIONEN, GESETZE u. URTEILE

(stehen dort als PDF zum Download zur Verfügung)

Gedruckte Broschüren können Sie ggf. auch bei Ihrem Integrationsamt bestellen.

www.einfach-teilhaben.de 

Diese Homepage richtet sich an Menschen mit Behinderung und ist auch für chronisch Erkrankte eine sehr gut Informationsquelle.

 

DMSG BROSCHÜRE „ARBEITEN MIT MS“

Der leicht verständliche Ratgeber beantwortet in 15 Kapiteln die wichtigsten Fragen zum Thema Berufstätigkeit und MS.

Die Broschüre „Arbeiten mit MS“ kann im ONLINE-SHOP und in den Geschäftsstellen der Landesverbände bestellt werden.

Wenn Sie an einen Verschlimmerungsantrag zur Durchsetzung eines höheren GdB oder eines Merkzeichens denken, sollten Sie sich zuvor fragen:

  1. Verbessert der Antrag meine persönliche Situation?
  2. Finden sich gesundheitliche Veränderungen i. S. von Verschlimmerungen ärztlicherseits festgestellt?
  3. Haben Sie sich vor dem Antrag beraten lassen? Die Versorgungsmedizin-Verordnung hat in der Vergangenheit immer wieder Aktualisierungen erfahren mit der Folge, dass eine Behinderung, die vor fünf Jahren begutachtet wurde, heute vielleicht ganz anders (vielleicht auch mit einem geringeren GdB) bewertet wird. Der aktuell festgestellte Grad der Behinderung kann auch herabgestuft werden.

Quelle: Rechtsanwältin Marianne Moldenhauer