Das Kompetenznetz Multiple Sklerose KKNMS hat eine Stellungnahme zu Impfungen gegen SARS-CoV-2 (auch unter Corona oder COVID-19 bekannt) bei MS-Betroffenen verfasst und veröffentlicht.

In der EU und somit auch in Deutschland ist mittlerweile ist der erste wirksame und sichere Impfstoff gegen die durch SARS-CoV-2 Virus ausgelöste Erkrankung Covid 19 zugelassen. Die Impfungen sind Ende Dezember angelaufen. Das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) äußert sich in einer Stellungnahme über die Bedeutung einer Impfung von MS-Betroffenen.

In dieser geht das Kompetenznetz darauf ein, was MS-Betroffene beachten sollten, äußert sich zur Verträglichkeit und zur Sicherheit des Impfstoffs bei MS-Betroffenen.

Eine erfolgreiche Impfung gegen COVID-19 könnte grundsätzlich die Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, reduzieren und damit die Wahrscheinlichkeit verringern, dass MS-Betroffene an COVID-19 erkranken, heißt es in der Stellungnahme, die das KKNMS als Pressemitteilung veröffentlicht hat. Wird ein wirksamer Impfstoff bei MS-Betroffenen angewandt, werden diese einen direkten Schutz gegen COVID-19 aufbauen.

MS-Betroffene gelten aufgrund der Multiple Sklerose an sich nicht als Risikogruppe für eine leichtere Ansteckung durch den Coronavirus und für einen schwereren Covid-19-Krankheitsverlauf, sofern ihre Lunge ausreichend belüftet ist, was bei ausreichender Mobilität in der Regel der Fall ist. Das belegen zur Erleichterung von Ärzten und MS-Patienten Daten aus den vergangenen Monaten. Jedoch können Infekte wie eine Erkältung, ein grippaler Infekt oder eben eine Covid-19-Erkrankung einen MS-Schub auslösen. Daher plädiert das KKNMS für eine bevorzugte Impfung von MS-Patienten.

Auch empfiehlt das Kompetenzzentrum MS-Betroffenen – auch unter immunmodulatorischer Behandlung – sich mit dem aktuell zugelassenen Impfstoff von Biontech/Pfizer impfen zu lassen, sowohl um eine Covid-19-Erkrankung und ihre möglichen Folgen zu verhindern, als auch sich daraus entwickelnde Schübe. Der Biontech-Impfstoff ist kein Lebendimpfstoff.

Das KKNMS rät MS-Patienten sich mit den jeweils behandelnden Ärzten abzusprechen, wann der günstigste Zeitpunkt für eine Impfung ist. Dies jedoch nicht etwa wegen vermeintlich erhöhter Impfnebenwirkungen, sondern weil unter immuntherapeutischer Behandlung ein Nichtansprechen auf die Impfung möglich ist. Mit anderen Worten: Die Impfung könnte unter Umständen (muss nicht) weniger gut wirken. Es gibt hierzu noch keine Daten; das sind bislang theoretische Vermutungen der Experten.

Bei immunmodulatorischer Behandlung wären 6 Wochen vor deren Beginn oder – bei Zell-depletierenden Therapien – 4 Monate nach der letzten Medikamenteneinnahme am günstigsten. Das lässt sich bei laufender Immuntherapie je nach Einnahmeintervall kaum einrichten und ein Abbruch oder Unterbrechen der Behandlung könnte sich ungünstig auf den Verlauf auswirken. Daher soll sich der MS-Patient unbedingt mit dem Arzt über den Impftermin absprechen.

Anmeldungen zur Corona-Impfung

Ganz klar ist die Empfehlung des KKNMS für MS-Patienten, sich nach Möglichkeit impfen zu lassen. Zur ersten Gruppe gehören vor allem Menschen ab 80 Jahren. Wer dazu gehört und nicht in einem Alten- oder Pflegeheime lebt, die von Mobilen Impfteams aufgesucht werden, kann ab dem 12. Januar telefonisch einen Impftermin für die sechs Regional-Impfzentren Darmstadt, Fulda, Frankfurt, Gießen, Kassel und Wiesbaden vereinbaren. Diese öffnen nach dem aktuellen Stand am 19. Januar. In der dritten Phase, in der hessenweit 28 Impfzentren öffnen werden, folgen die Schutzimpfungen mit erhöhter Priorität. Dazu gehören auch Personen, bei denen aufgrund einer bestimmten chronischen Vorerkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht. Wann diese Impfphase 3 startet, ist im Moment noch nicht bekannt.

Wer zur jeweiligen priorisierten Personengruppe gehört, kann in Hessen einen Termin telefonisch unter 116 117 oder online unter  www.impfterminservice.de vereinbaren. Sonja Thelen, mit Unterstützung des baden-württembergischen Landesverbandes Amsel

Anmerkung Prof. Uta Meyding-Lamadé und Prof. Till Sprenger (beide Ärztlicher Beirat DMSG Hessen): Eine Ergänzung zur Pressemitteilung des KKNMS bzgl. der Varizellenimpfung auf S. 2, 2. Absatz: Für eine Varizellenimpfung gibt es nicht nur Lebendimpfstoffe, sondern auch einen Totimpfstoff (Shingrix).

Die Pressemitteilung des KKNMS können Sie hier herunterladen!