Das Motto „Selbsthilfe in Bewegung“, das sich die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Landesverband Hessen zu ihrem 40-jährigen Bestehen gegeben hat, haben Engagierte, Partner und zahlreiche Besucher beim gelungenen Aktionstag „Barrierefreiheit und Mobilität“ in die Tat umgesetzt. Am Mainkai in Frankfurt animierte ein buntes Programm zum Mitmachen und Ausprobieren. In ihrer Eröffnungsrede umriss die Vorsitzende der DMSG Hessen, Dagmar Spill, das zu erreichende Ziel: Mobilität und Barrierefreiheit für alle im breiten Raum.

Frankfurt am Main, 24. August 2020. Ein barrierefreies Frankfurt ist auch das Ziel von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, der die Schirmherrschaft für den Aktionstag „Barrierefreiheit und Mobilität“ der DMSG Hessen übernommen hatte. In seiner Ansprache führte er aus, dass die Stadt seit 30 Jahren dabei ist, den öffentlichen Nahverkehr barrierefrei umzubauen sowie umzurüsten. Bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge „wird nicht mehr über das ‚Ob‘, sondern über das ‚Wie‘ der besten Gestaltung für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste nachgedacht. Genauso selbstverständlich werden die Belange mobilitätseingeschränkter Personen im Straßenbau berücksichtigt“, sagte Oesterling: „Noch sind wir nicht am Ziel, aber ich verspreche Ihnen, dass wir nicht müde werden daran zu arbeiten.“ Ein „Beispiel, das leise und damit selbstverständlich daherkommt“ ist der neue barrierefreie Fußweg am Eisernen Steg, ergänzte DMSG-Hessen-Vorsitzende Dagmar Spill: Über das jetzt abgeschliffene Kopfsteinpflaster können Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen soft darüber gleiten. Zugleich war dieser Umbau mit Anlass, an dieser Stelle den Aktionstag zum 40-jährigen Bestehen der hessischen MS-Selbsthilfeorganisation auszurichten, erläuterte Dagmar Spill. Mitten in der Frankfurter Altstadt am belebten Mainufer rückte die DMSG Hessen mit weiteren Partnern in den Fokus, „wie Menschen mit MS und Handicaps trotz möglicher Einschränkungen mobil und damit beweglich sein und bleiben können“, erklärte die Vorsitzende. Nach der Begrüßung mussten die Besucher – ob im Stehen oder im Sitzen – zunächst Übungen vom „Funktionstraining bei MS“ absolvieren, die das Trainerteam unter der Leitung vom Dr. Stephanie Woschek demonstrierte. Sowohl über das neue „Funktionstraining bei MS“ als auch über die Frankfurter MS-Beratungsstelle und das breite Angebot der DMSG Hessen konnten sich Interessierte am Stand der DMSG Hessen informieren, den Sozialberaterin Renate Schön betreute.

Und es gab weitere Mitmachaktionen am Mainkai auszuprobieren. Friedrich Schmidt (Frankfurter Verkehrswacht) testete die Reaktionszeit. Slalomstangen, Schrägen, Kanten waren knifflige Hindernisse beim Rollstuhl-Parcours. „Das ist ganz schön schwierig. Wenn man zum Beispiel über eine Bordsteinkante fahren will, muss man sich mit dem Körper zurücklehnen“, berichtete Paula Schopp von ihrer ersten Tour mit einem Rollstuhl: „Das ist ganz schön anstrengend.“ Mit ihrer Mutter war die 19-Jährige zum Aktionstag gekommen. „Ich arbeite selbst in einer integrativen Einrichtung und möchte mich daher auf dem Laufenden halten“, ergänzte Mutter Katrin Schaffer-Schopp. Stark nachgefragt waren auch die Probefahrten mit den Liegedreirädern von HP Velotechnik, die auch für Menschen mit Handicap geeignet sind. „Ich hatte in der Zeitung gelesen, dass man solche Räder heute hier ausprobieren kann. Das hat mich neugierig gemacht“, berichtete eine MS-Betroffene. Die Angst, trotz Rollstuhl oder Rollator, mit einem öffentlichen Bus zu fahren, versuchte Gudula Seegmüller vom Nahverkehrsanbieter traffiQ zu nehmen. Die Verkehrssicherheitsberaterin war mit einem Elektro-Bus vor Ort und gab Tipps, wie Fahrgäste mit Rollstuhl und Rollator sicher ein- und aussteigen können. „Viele wissen zum Beispiel nicht, was die Knöpfe an der Tür bedeuten. So bleibt diese länger auf, wenn der Knopf mit dem Kinderwagen gedrückt wird“, so Seegmüller. Froh, endlich wieder mit Menschen mit Handicaps oder älteren Verkehrsteilnehmern in Kontakt zu kommen, zeigte sich Silvia Schwalba von der Frankfurter Polizei und der „Aktion MAX – maximal mobil bleiben mit Verantwortung!“. „Durch Corona durften wir seit Monaten uns nirgendswo vorstellen. Das ist für uns das erste Mal wieder seit Monaten“, freute sich die Polizistin und informierte Besucher, die ihre Mobilität erhalten möchten: als Autofahrer, Radfahrer, Bus und Bahn-Benutzer oder als Fußgänger – mit und ohne Einschränkungen! Essentiell hierfür sind Beweglichkeit und Fitness, die auch mit körperlichen Handicaps und im Alter zu erhalten sind. Das verdeutlichten die Gesundheitsprogramme, über die das DRK Frankfurt an seinem Stand informierte. Mit einer Fahrrad-Rikscha vor Ort war das Ehrenamts-Projekt „Radeln ohne Alter“ unter der Leitung von Martina Borger: „Wir möchten mit Menschen, die nicht mehr aus eigener Kraft in die Pedale treten können, die Freude eines Fahrradausfluges teilen.“

Alles Beispiele, die zum einen aufzeigten, „mit welchen Herausforderungen Menschen mit Behinderungen jeden Tag konfrontiert sind, aber auch, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten können, um mobil zu bleiben“, fasste die Vorsitzende Dagmar Spill den gelungenen Aktionstag der DMSG Hessen zusammen. Die DMSG Hessen bedankt sich zudem bei der AOK Hessen für die finanzielle Förderung des Aktionstages.

Bildunterschriften (Copyright: Sophie Schüler/DMSG Hessen):

Aktionstag DMSG Hessen Funktionstraining_Sophie Schueler: Bei den Funktionstrainings-Übungen mussten die Besucher mitmachen.

Aktionstag DMSG Hessen Infostand_Sophie Schueler: Der Infostand der DMSG Hessen beim Aktionstag.

Aktionstag DMSG Hessen Oesterling und Spill_Sophie Schueler: Klaus Oesterling (li., Schirmherr und Verkehrsdezernent) und Dagmar Spill (Vorsitzende DMSG Hessen)

Aktionstag DMSG Hessen Polizei Silvia Schwalba_Sophie Schueler: Verkehrssicherheitsberaterin Silvia Schwalba von der Frankfurter Polizei.

Aktionstag DMSG Hessen Rolli Parcour Paula Schopp_Sophie Schueler: Paula Schopp probiert den Rolli-Parcours.

Aktionstag DMSG Hessen Rolli Parcours und Liegedreirad_Sophie Schueler: Diese Besucherin probierte ein Liegedreirad von HP Velotechnik aus.

Die DMSG Hessen:

Vor 40 Jahren, im Jahr 1980, wurde der Landesverband Hessen e.V. in der DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) gegründet. Die DMSG Hessen ist eine Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für MS-Kranke in Hessen und hat in Frankfurt ihren Sitz. 18 haupt- und über 500 ehrenamtliche Mitarbeiter arbeiten hier für zirka 10.000 Betroffene in Hessen. Der Landesverband Hessen ist einer von 16 Landesverbänden, die der Bundesverband mit Sitz in Hannover umfasst. Ziel der Selbsthilfeorganisation ist vornehmlich die umfassende und individuelle Beratung MS-Betroffener und ihrer Angehörigen in psychosozialen, medizinischen, beruflichen und sozialrechtlichen Fragen. Weitere Anliegen der DMSG Hessen sind, bei der Organisation und Beantragung von pflegerischen Leistungen und Rehabilitation zu beraten sowie MS-Betroffene und ihre Angehörigen in allen Aspekten ihres sozialen Lebens zu begleiten und im Beratungstermin persönliche Anliegen zu besprechen.

Was ist Multiple Sklerose?

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark), die zu Störungen der Bewegungen, der Sinnesempfindungen und anderen weitgehenden Beeinträchtigungen führen kann. In Deutschland leiden rund 240.000 Menschen an MS, davon vermutlich mehr als 10.000 in Hessen. Trotz intensiver Forschungen ist die Ursache der Krankheit nicht bekannt. Sie ist nicht ansteckend. Welche anderen Faktoren zum Auftreten der MS beitragen, ist ungewiss. MS kann heute frühzeitig günstig beeinflusst werden. Die Anzahl der Neuerkrankungen gerade bei jungen Menschen nimmt stetig zu.

www.dmsg-hessen.de

Das Spendenkonto der DMSG Hessen: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE74 550  205 000 007 605 200, BIC: BFSWDE33MNZ

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