Die DMSG Hessen schließt sich der Forderung des Sozialverbandes VdK an, in Hessen nur noch barrierefrei zu bauen. Der VdK Hessen-Thüringen hat daher eine Online-Petition gestartet und bittet alle Bürger und insbesondere alle VdK-Mitglieder um ihre Unterstützung. Mit dieser Petition soll der Hessische Landtag dazu aufgefordert werden, die entscheidenden Paragrafen 2 und 54 der Bauordnung erneut zu ändern und Barrierefreiheit im Landesbaurecht umfänglich zu verankern.  Unterstützer können den Aufruf online unterstützen als auch Unterschriftenlisten zum Sammeln von Unterschriften ausdrucken. Noch bis Mitte Mai kann die Petition unterstützt werden. 

Mit einer Petition an den Landtag will der VdK erreichen, dass mehr barrierefreie Wohnungen in Hessen gebaut werden. Auf dem Neujahrsempfang des Sozialverbands in Frankfurt gab der VdK-Landesvorsitzende von Hessen-Thüringen, Paul Weimann, den Startschuss für die Initiative. „In Hessen fehlen schon jetzt 77.000 barrierefreie Wohnungen, und aufgrund des demographischen Wandels wird der Bedarf weiter steigen. Mit den in Hessen festgeschriebenen Vorgaben zum barrierefreien Bauen kann dieses Defizit nie und nimmer ausgeglichen werden“, sagte Weimann vor rund 200 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und sozialen Organisationen in der Deutschen Nationalbibliothek.

Mit der Petition soll der Hessische Landtag dazu aufgefordert werden, die 2018 novellierte Hessische Bauordnung (HBO) zu überarbeiten und Barrierefreiheit im Landesbaurecht umfänglich zu verankern. Die Kritik des VdK richtet sich vor allem gegen den sogenannten Ausnahmetatbestand in § 54 HBO. Dieser besagt, dass die Verpflichtung, zumindest einen Teil der Wohnungen in einem Neubau barrierefrei zu gestalten, entfallen kann, wenn damit „unverhältnismäßiger Mehraufwand“ verbunden ist. „Diese vage Formulierung führt dazu, dass Bauherren Barrierefreiheit nicht unbedingt berücksichtigen müssen“, sagte Weimann. „Der Ausnahmetatbestand muss wegfallen.“ In Thüringen sei dieser Passus schon 2014 aus der Bauordnung gestrichen worden.

Als problematisch sieht der VdK auch die Regelung an, dass 20 Prozent der Wohnungen in Gebäuden mit mindestens zwei Wohneinheiten barrierefrei zugänglich und nutzbar sein sollen. Nach offiziellen Berechnungen führt diese Quotierung im Vergleich zu älteren Vorgaben nur in Gebäuden mit mindestens sechs Stockwerken oder mindestens 20 Wohnungen zu mehr barrierefreiem Wohnraum. In Hessen wurden jedoch 2016 insgesamt nur 70 Bauvorhaben in dieser Größenordnung realisiert.

„Barrierefreies Bauen ist nur minimal teurer, bringt aber allen Menschen riesige Vorteile“, sagte Paul Weimann. „Für ältere Menschen, die so lange wie möglich zu Hause wohnen möchten, und Menschen mit Behinderungen, die es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer haben, sind barrierefreie Wohnungen von existenzieller Bedeutung.“ Der zweite Hauptredner, Sozialminister Stefan Grüttner, äußerte großes Verständnis für die Petition und betonte, dass das Thema Barrierefreiheit intensiv diskutiert werden müsse. Quelle: Pressemitteilung VdK Hessen-Thüringen

Hier kommen Sie zur Online-Petition, dort können auch Unterschriftenlisten zum Ausdrucken  heruntergeladen werden: https://www.openpetition.de/petition/online/wir-fordern-bauen-in-hessen-nur-noch-barrierefrei

Die ausführliche Kritik des VdK an der Novellierung der Hessischen Bauordnung lesen Sie hier https://www.vdk.de/hessen-thueringen/pages/76132/vdk-petition_zur_aenderung_der_hessischen_bauordnung