Die DMSG Hessen möchte in dem Bundesland ab September 2019 ein Funktionstraining für MS-Betroffene aufbauen, das von entsprechend qualifizierten Trainern geleitet wird und vom Hausarzt „auf Rezept“ als Krankenkassenleistung verschrieben werden kann. Das Projekt wird von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gefördert. Dr. Stephanie Woschek ist beauftragt, den Aufbau dieses Angebots in den nächsten Monaten zu entwickeln und Trainer zu qualifizieren. Die promovierte Sportwissenschaftlerin hat an der Hochschule Fresenius die Kompaktschulung „MS & Sport“ (SpoKS) mitentwickelt und diverse solcher Schulungen geleitet, an denen auch zahlreiche  DMSG-Hessen-Mitglieder teilgenommen haben. Damit das Projekt ein Erfolg wird, sind zudem die MS-Gruppen aufgerufen, sich zu melden, wenn sie Interesse haben, wohnortnah ein solches Funktionstraining zu etablieren.  

Zahlreiche Studienergebnisse aus Forschungs- und Förderprojekten haben gezeigt, dass Menschen mit einer neurodegenerativen Erkrankung wie der Multiplen Sklerose sehr von Sport und körperlichem Training profitieren können. Daher hat die Gemeinnützige Hertie Stiftung dem Landesverband im Rahmen eines Pilotprojektes Mittel für die Einführung von Funktionstraining in Hessen für die nächsten zwei Jahre genehmigt. Der Bundesverband der DMSG stellt für die Erarbeitung des Konzeptes ebenfalls Mittel zur Verfügung.

Für die Umsetzung des Pilotprojektes konnte der hessische Landesverband Dr. Stephanie Woschek von der Hochschule Fresenius gewinnen, die vielen Kompaktschulungs-Teilnehmern noch unter ihrem früheren Nachnamen Kersten bekannt ist. Sie war an der Entwicklung und Durchführung der Kompaktschulungen „MS & Sport“ maßgeblich beteiligt. Viele Teilnehmer dieser Kompaktschulungen der vergangenen Jahre berichten über eine Reduktion der Symptomatik und eine Verbesserung der Lebensqualität, da MS Betroffene mit mehr Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit die Herausforderungen des alltäglichen Lebens meistern. Daher wünschen sich zukünftig viele MS-Betroffene  ein regelmäßiges Angebot, das von den Rehabilitationsträgern auch anerkannt und finanziell unterstützt („Funktionstraining auf Rezept“) wird. Mit dem geplanten Funktionstraining soll ermöglicht werden, dass MS-Betroffene regelmäßig im Rahmen der medizinischen Rehabilitation gemeinsam trainieren können. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) umfasst das Funktionstraining bewegungstherapeutische Übungen, die in der Gruppe unter fachkundiger Leitung (beispielsweise durch einen Physiotherapeuten) bei regelmäßigen Trainingsstunden geübt werden, und es wird von den Rehabilitationsträgern als ergänzende Leistung anerkannt.

Unterschieden wird im Funktionstraining die Trockengymnastik (Bewegung im Raum) von der Wassergymnastik (Bewegung im Wasser), wobei wir von Seiten der DMSG Hessen zunächst mit der Umsetzung von Trockengymnastik beginnen möchten. In Hessen ist der Start für die ersten Funktionstrainingsgruppen ab dem 1. September geplant.

Interessierte Selbsthilfegruppen können sich ab sofort darauf vorbereiten. Um Funktionstraining (als Gruppentraining mit zirka 10 bis 15 Teilnehmern) wohnortnah zu den einzelnen Gruppen anzubieten, möchten wir Interessierte darum bitten, beim nächsten Gruppentreffen folgende Punkte zu klären:

  • Teilnehmerzahl: Haben Sie Interesse an einem Funktionstraining? Wenn ja, wie viele Mitglieder Ihrer Gruppe?
  • Raum: Wo könnte das regelmäßige Angebot des Funktionstrainings in Ihrer Nähe stattfinden? Ist dieser Raum für alle Beteiligten gut zu erreichen? Ist Barrierefreiheit und eine behindertengerechte Ausstattung gewährleistet?
  • Übungsleitung: Kennen Sie interessierte Physiotherapeuten/Ergotherapeuten/Sport- und Gymnastiklehrer/Sportwissenschaftler, die bereit sind, auf Honorarbasis eine Funktionstrainingsgruppe zu leiten?
  • Zeit: Zu welcher Zeit könnte das Funktionstraining in der Woche bei Ihnen stattfinden? Material: Welches Übungsmaterial steht in dem potentiellen Raum zur Verfügung?

Funktionstraining wird vom Hausarzt verordnet und muss innerhalb von drei Monaten nach Rezeptausstellung begonnen werden. Daher sollten erst die Rahmenbedingungen für eine Funktionstrainingsgruppe geklärt sein, bevor sie mit ihrem Hausarzt in Kontakt treten.

Bei Interesse und/oder Fragen rund um das Thema Funktionstraining wenden Sie sich gern an Dr. Stephanie Woschek, Email: woschek@dmsg-hessen.de, oder den Geschäftsführer der DMSG Hessen, Bernd Crusius. Wir kommen gerne in Ihre Selbsthilfegruppe und stellen das Funktionstraining vor. Dr. phil. Stephanie Woschek