Die Ersatzkassen erkennen das von der DMSG Hessen entwickelte „Live-Funktionstraining bei MS“ jetzt auch bundesweit als Leistung an. Eine entsprechende Vereinbarung wurde jetzt getroffen und gilt – vorerst befristet bis 30. Juni – auch für das virtuelle Funktionstraining, das für die Zeit der Corona-Pandemie zusätzlich entwickelt wurde. Allerdings setzt sich der DMSG Bundesverband  dafür ein, dass die Unterstützung der Krankenkassen – analog zum Präsenztraining – auch für das virtuelle Funktionstraining nach dem Ende der Pandemie möglich bleiben muss.

Das von der DMSG Hessen unter der Leitung von Sportwissenschaftlerin Dr. Stephanie Woschek seit 2019 aufgebaute „Funktionstraining für Menschen mit Multiple Sklerose“ ist ein noch junges Projekt in der Gesundheitsversorgung. Umso mehr freut sich die Projektleiterin, dass jetzt auch die Ersatzkassen bundesweit das „Funktionstraining bei MS“ als Leistung anerkennen und es ab sofort auf Rezept verschrieben werden kann.

Diese Vereinbarung gilt sowohl für das Live-Training, das aber zur Zeit der Corona-Pandemie ausgesetzt ist, um Kontakte zu vermeiden, als auch für das alternativ zusätzlich entwickelte virtuelle Funktionstraining.

Allerdings ist im Moment die Bewilligung des „Virtuellen Funktionstrainings“, bei dem auch Teilnehmer außerhalb von Hessen mitmachen können, nur bis 30. Juni befristet. Das möchte Prof. Dr. med. Judith Haas, Vorsitzende DMSG Bundesverband, ändern. Anlässlich einer Pressekonferenz im Februar zusammen mit der Hochschule Fresenius und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, um das neue digitale Angebot vorzustellen, betonte Prof. Haas: „Die Unterstützung der Krankenkassen muss, analog zum Präsenztraining, auch für das virtuelle Funktionstraining nach dem Ende der Pandemie möglich bleiben. Es sollte Teil der Regelversorgung werden. MS-Erkrankte aus ländlichen Regionen oder weniger mobile Patienten, profitieren ganz besonders von diesem Bewegungsangebot. Wir bedanken uns, dass die Krankenkassen diesem Anliegen so positiv begegnen.“

Auch für Berufstätige sei es eventuell mit den Arbeitszeiten leichter zu vereinbaren, an einer digitalen Trainingseinheit teilzunehmen, als extra für ein Live-Training in die Physiotherapie-Praxis oder eine Sporthalle zu fahren. „Es ist individuell ganz unterschiedlich, welches Trainings-Format sich für wen besser eignet. Daher wäre es perspektivisch gut, den MS-Erkrankten die Wahl zwischen virtuellem und Präsenz-Training zu ermöglichen“, betont Projektleiterin Dr. Woschek.

Eine Ansicht, die auch die Gemeinnützige Hertie-Stiftung teilt. „Wir sind vom Konzept und Aufbau des Funktionstrainings – in Präsenz und virtuell – überzeugt“, sagt Dr. Eva Koch, Leiterin der Multiple Sklerose Projekte der Gemeinnützigen Hertie Stiftung. So fördert die Stiftung das Projekt mit 120.000 Euro, damit die DMSG das Funktionstraining bundesweit ausbauen kann.

Einig sind sich alle: Bewegung und sportliches Training sind sehr wirksame Präventionsmaßnahmen und eignen sich bei guter Abstimmung als therapeutische Intervention bei zahlreichen Krankheitsbildern. Auch für neurodegenerative Krankheitsbilder wie die Multiple Sklerose liegen mittlerweile „evidente Erkenntnisse aus der Forschung“ vor, die Bewegung und gezieltes Training befürworten, unterstrich Prof. Dr. Christian T. Haas, Direktor des Instituts für komplexe Systemforschung an der Hochschule Fresenius, der die Maßnahmen wissenschaftlich begleitet und untersucht.