38 Minuten schneller als im Vorjahr ist der Frankfurter Langstreckenläufer Christoph Hennemann beim Frankfurt-Marathon vergangenen Sonntag im Ziel in der Frankfurter Festhalle angekommen. Seinen zweiten Start bei einem Marathon hatte der 28-Jährige mit einer Spendenaktion zugunsten MS-Betroffener verknüpft und dafür Mitstreiter gewonnen: Pro schneller gelaufene Minute hatten sich im Vorfeld Unterstützer bereit erklärt, 152 Euro an die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Landesverband Hessen zu spenden. Dieses ehrgeizige Ziel hat den Hobby-Sportler motiviert, die rund 42 Kilometer durchzuhalten. Jetzt kann die DMSG Hessen auf eine Spende von rund 5700 Euro hoffen.

Unter drei Stunden zu bleiben. Das war vor allem das erklärte Ziel, das Christoph Hennemann bei seinem zweiten Marathon unbedingt erreichen wollte. Und das ist ihm vollends gelungen. Beim Frankfurt-Marathon am letzten Oktober-Sonntag hat es der 28-Jährige tatsächlich geschafft, die 42,195 Kilometer in nur 2:53:59 zurückzulegen. Damit war er dieses Jahr 38 volle Minuten schneller als 2018. Nicht nur über sein läuferisches Ergebnis ist der Software Engineer glücklich, sondern auch darüber, dass es ihm gelungen ist, eine stattliche Spendensumme zugunsten MS-Betroffener zu erlaufen.

Im Vorfeld des Laufs hatte Christoph Hennemann angekündigt, für jede Minute, die er beim Frankfurt-Marathon schneller im Ziel ankommt als im Vorjahr, Spenden für die DMSG Hessen sammeln. Eine Idee, die in seiner Familie, seinem Freundeskreis und bei seinem Arbeitgeber „Dericon“ auf positive Resonanz stieß. Sein Arbeitgeber ermunterte ihn, eine Webseite für seine Benefizaktion zu erstellen, und sagte 20 Euro pro schneller gelaufene Minute zu. Auch Christoph Hennemann selbst will pro Minute zehn Euro spenden. Vor dem Start hatten sich schließlich 31 Unterstützer bereit erklärt, in der Summe 152 Euro pro schneller gelaufene Minute zu spenden. Während des Marathons war dies für Christoph Hennemann ein Ansporn: „Der Gedanke war gerade am Ende des Laufes, so zwischen Kilometer 38 und 42 eine Hilfe, um durchzuhalten und einigermaßen die Geschwindigkeit zu halten. Insbesondere hat mich das Wissen aber beim Training vorher motiviert. Gerade gegen Ende war die Motivation zu laufen nicht mehr wirklich gegeben. Aber das Wissen, um die Spenden hat mich dann doch jeden Tag nach draußen getrieben.“

Christoph Hennemann weiß, was Multiple Sklerose als Erkrankung bedeutet und mit welchen zum Teil erheblichen Einschränkungen Betroffene leben müssen. Sein eigener Opa hat MS. „Ich habe seinen Krankheitsverlauf im Prinzip seit meiner Kindheit miterlebt. Es fing an mit Problemen, die Hände zu schließen, über Schwierigkeiten zu laufen bis hin zum Rollstuhl“, erzählt der Software Engineer.

Mit dem Laufen hat Christoph Hennemann erst vor knapp zwei Jahren angefangen. „Nachdem ich ein halbes Jahr vorher angefangen hatte, konsequent Sport zu treiben, und das fünf Mal die Woche, kam mir bei einem Café-Besuch im November 2017 aus dem Nichts die Idee, dass ich einen Marathon laufen möchte“, erzählt er. Er informierte sich und meldete sich für den Frankfurt-Marathon 2018 an. Auf dem Weg dorthin setzte er sich mehrere Etappenziele, absolvierte im März 2018 in Frankfurt den Halbmarathon, nahm am „Wings for Life Run“ in München teil.

In München musste er er aber sein Ziel „33 Kilometer“ nach 22 Kilometer leider aufgeben. Nicht so beim Frankfurt-Marathon 2018, den er in 3 Stunden und 32 Minuten schaffte. An sich wollte der 28-Jährige nur einen Marathon in seinem Leben laufen. „Mein bester Kumpel war aber von meiner Leistung so beeindruckt, dass er es auch versuchen wollte. Wir meldeten uns beide für dieses Jahr an. Allerdings hat er im März bei einem Halbmarathon festgestellt, dass seine Knie das nicht mitmachen.“ Er beschloss für sich, in diesem Jahr den Marathon schneller zu laufen. Um das zu erreichen, holte er sich Jonas Pilgrim als Trainer an die Seite. Sein Ziel: mindestens unter drei Stunden zu laufen. „Durch den Lauf habe ich einiges über meinen Körper gelernt. Letztes Jahr dachte ich bereits, dass ich am Limit gelaufen bin, aber die Vorbereitung dieses Jahr zwischen Juli und Oktober hat mir gezeigt, wozu mein Körper tatsächlich fähig ist. Disziplin und Gewohnheit sind essentiell, um seine Ziele zu erreichen. Und das beschränkt sich nicht nur auf das Laufen, sondern auf alle Bereiche im Leben“, betont der Marathonläufer.

Bei einem seiner Trainingsläufe kam ihm dann der Gedanke, „dass ich den Lauf ja auch zu einer Spendenaktion zugunsten MS-Betroffener machen könnte“. Eine Idee, mit großem Erfolg: „Ich bin sehr zufrieden mit der Zeit, die ich gelaufen bin. Ich hatte mir zwar 2:48 als Ziel gesteckt, aber das war von Anfang an und mit Absicht knapp außerhalb der realistischen Reichweite gesetzt. Unter drei Stunden war das zugrunde liegende Ziel, und das habe ich erreicht, was mich sehr glücklich macht. Ich bin unfassbar glücklich über die Spendensumme, die am Ende zusammen gekommen ist. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass am Ende so viel erreicht werden kann. Ich bin gespannt wie viel am Ende tatsächlich ankommt. Aber ich bin über jeden Euro froh.“ Sonja Thelen