Aktionswochenende „Barrierefreiheit und Rollstuhlmobilität“

am 09. und 10. Juli 2022 in Baunatal

Besonders der Stadtspaziergang mit der Bürgermeisterin Manuela Strube, Vertretern der Stadt Baunatal und Menschen mit und ohne MS ist auf große Resonanz gestoßen. 

Unser Mitglied Sabrina Scharf hatte die Idee zu dem Aktionswochenende. Sie war begeistert vom  Rollstuhlmobilitätstraining der DMSG Hessen, an dem sie teilgenommen hatte und wollte dieses Angebot auch in ihre Heimatstadt Baunatal bringen – hier finden Sie unsere aktuellen Kurse – in Kassel und Frankfurt – es sind noch Plätze frei.  Außerdem wollte sie dazu beitragen, Barrieren in der Innenstadt abzubauen und die Mobilität von Rollstuhlfahrenden verbessern. Deshalb ist auf die Bürgermeisterin zugegangen und hat gemeinsam mit der DMSG Regionalstelle Kassel die Aktion geplant.

Baunatal „erfahren“
Zahlreiche Menschen sind dem gemeinsamen Aufruf der Stadt Baunatal und der DMSG Hessen gefolgt und haben am Samstagvormittag mit Rollstuhl und zu Fuß die Innenstadt auf ihre Barrierefreiheit inspiziert. Die lokale Presse war ebenfalls dabei und vor dem Stadtspaziergang zu einer Pressekonferenz eingeladen.

Viele haben spontan die Gelegenheit genutzt, den Stadtspaziergang mit einem Leihrollstuhl zu „erfahren“. Allen voran Bürgermeisterin Manuela Strube. Schnell wurde ihr bewusst, wie kleine Hürden zu einem großen Hindernis werden können. Sei es der leicht abschüssige Gehweg, der Bahnübergang oder das Kopfsteinpflaster auf dem Marktplatz. Auf die Frage von Rollstuhltrainer Holger Kranz, warum bei der Neugestaltung des zentralen Platzes vor einigen Jahren ausgerechnet Kopfsteinpflaster gewählt wurde, lautete die Antwort der Bürgermeisterin, „wahrscheinlich, weil man es schön fand.“

Dennoch ist „Barrierefreiheit in Baunatal schon seit Jahren ein großes Thema, vieles wurde bereits umgesetzt, es ist jedoch noch Luft nach oben“, so die Bürgermeisterin bei der Pressekonferenz. Der Marktplatz und die Geschäfte und Lokale in der Fußgängerpassage, die nur über Treppenstufen erreichbar sind, haben dies allen Beteiligten während der Innenstadterkundung deutlich gemacht.

Funktionstraining bei MS
Im Anschluss an den Stadtspaziergang hat Stephanie Woschek mit einer kurzen Einheit Funktionstraining das kostenlose Rollstuhltraining eingeleitet. „Endlich wieder in der Halle sein!“ Darüber hat sich die Leiterin des DMSG-Projekts gefreut – trotz des großen Erfolgs des Online-Trainings. Sie und die DMSG, hatten zudem einen Etappensieg zu feiern: Die Finanzierung des Tele-Funktionstrainings läuft vorerst bis Ende September 2022 weiter. Die zahlreichen Proteste bei Krankenkassen und Politik, sowohl von der DMSG, als auch von den Teilnehmenden, haben gewirkt und die angekündigte Einstellung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen zum Ende Juni wurde zurückgenommen.
In Nordhessen trainiert in Baunatal eine Gruppe in Präsenz und online, in Wolfhagen sowie in Korbach gibt es eine Präsenzgruppe. Neue Teilnehmende sind in allen Kursen in Hessen  herzlich willkommen. Auch baut die DMSG noch neue Gruppen auf. Wenden Sie sich bei Interesse an das Team Funktionstraining.

Kostenloses Rollstuhltraining
Der Rollstuhlmobilitätstrainer Holger Kranz hat in seinem Training verschiedene Fahrtechniken vermittelt, um sich sicher mit dem Rollstuhl zu bewegen. Aus terminlichen Gründen konnte die Bürgermeisterin nicht mehr am Training teilnehmen, was sie ursprünglich geplant hatte. Das Rollstuhlmobilitätstraining (Link) hilft ebenfalls dabei, Ängste und Barrieren abzubauen, bei Menschen mit MS, die vielleicht zukünftig auf den Rollstuhl angewiesen sein könnten. Sabrina Scharf beispielsweise kann noch laufen, nutzt jedoch für längere Strecken bereits den Rollstuhl. Auch Angehörige lernen im Kurs, was beim Umgang mit dem Rollstuhl zu beachten ist.

Rollstuhl ist nicht gleich Rollstuhl
Wichtiger Bestandteil des Trainings sind Informationen zu den verschiedenen Rollstuhlarten, zur Beantragung und ein Check der mitgebrachten Rollstühle. Denn viele Hilfsmittel sind entweder nicht richtig eingestellt oder schlicht nicht passend. Um Haltungs- und Gelenkschäden zu vermeiden, sei eine sachkundige Anpassung unabdingbar, so der Spezialist für Rollstuhlmobilität. Holger Kranz hat viele Tipps und Anregungen gegeben, die Einstellungen zu verbessern. Doch manchmal war sein Rat auch, einen anderen passenden Rollstuhl zu beantragen. Hilfe leisten dabei die Beraterinnen in den DMSG Regionalstellen.

DMSG – Hilfe zur Selbsthilfe
Benno Rehn, Geschäftsführer der DMSG Hessen hat bei der Pressekonferenz darauf hingewiesen, wie wichtig Barrierefreiheit für die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen ist. Darüber hinaus ist Bewegung und Sport neben der Ernährung und dem Stressmanagement essenziell, um das Fortschreiten der MS und damit Behinderungen vorzubeugen – all das bietet die DMSG Mitgliedern und Nichtmitgliedern, Betroffenen und ihren Angehörigen mit ihren Beratungs- und Kursangeboten.

Dank den Sponsoren
Den Sponsoren der Veranstaltung hat Benno Rehn herzlich gedankt: Der Förderkreis Kasseler Multiple Sklerose Kranker hat die Kosten für den Trainer übernommen. Das Sanitätshaus Saniplus aus Fritzlar, eine gemeinnützige Tochtergesellschaft der Diakonie und Inklusionsbetrieb, hat die Halle für das Training kostenlos zur Verfügung gestellt. Am Sonntag hat Holger Kranz einen zweiten Kurs Rollstuhltraining angeleitet, der ebenfalls gut besucht war.

Neues Projekt: Legorampen
Sabrina Scharf tüftelt schon an einer neuen Aktion: Sie steht in Kontakt mit der „Lego-Oma“ Rita Ebel und will Rolli-Rampen aus Legosteinen bauen. Mit diesen kreativen unkonventionellen Rampen können Rollifahrer Stufen überwinden, beispielsweise vor Geschäften. Wenn sie den Bau von Legorampen unterstützen möchten, können Sie nicht genutzte Legosteine gern an die Regionalstelle Kassel spenden.

Resümee
Sabrina Scharf und Sonja Waschilowski, Beraterin der Regionalstelle Kassel, haben die Route durch die Innenstadt im Vorfeld mit Heinz Kaiser geplant, dem Behindertenbeauftragten der Stadt Baunatal. Er hat den Spaziergang am Samstag begleitet und Hinweise der rollifahrenden Baunatalern aufgenommen, wo Optimierungsbedarf besteht. Eine sehr gelungene Aktion auf Initiative eines Mitglieds, in Kooperation mit den Verantwortlichen der Stadt und der DMSG Hessen.

Bei allen Akteuren bedanken wir uns herzlich für ihr Engagement.

Nur gemeinsam konnten wir das Aktionswochenende Barrierefreiheit und Rollstuhl-Mobilität in Baunatal realisieren – Foto: Franziska Watzl

Vorne von links: Initiatorin und DMSG-Mitglied Sabrina Scharf, Lars Dierksen vom Sanitätshaus Saniplus hat die Halle gesponsort und Friedhelm Meyer vom Behindertenbeirat. Von hinten links: die Beteiligten der DMSG Hessen: Dr. Stefanie Woschek vom Funktionstraining, Sonja Waschilowski und Lisa Fitzenreiter von der Regionalstelle Kassel sowie Geschäftsführer Benno Rehn. Daneben der Behindertenbeauftragte von Baunatal Heinz Kaiser, Jürgen Klarhold vom MS-Treff Baunatal, die Bürgermeisterin der Stadt Baunatal Manuela Strube und der Stadtverordnetenvorsteher Reiner Heine.

Fotos: Franziska Watzl, Benno Rehn, Sonja Waschilowski,

Plakat Aktionswochenende Baunatal

Artikel Hanoversche Allgemeine – HNA (nur Print)

Online-Beitrag NH 24  mit vielen weiteren Bildern der Aktion (Link anklicken)

Artikel Baunataler Nachrichten

Facebook-Post von Bürgermeisterin Manuela Strube

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