In ihrem 2018 erschienenen Buch „Frau C. hat MS. Wenn die Nerven blank liegen“ gewährt Autorin Claudia Hontschik persönliche Einblicke und spricht Tabu-Themen an. Am Donnerstag, 24. Januar, gibt es hierzu eine Lesung mit Gespräch im Bibliothekszentrum Frankfurt-Höchst (Michael-Stumpf-Straße 2, 65929 Frankfurt am Main). Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Claudia Hontschik kann nicht laufen, sitzt im Rollstuhl, ist behindert. Oder besser: Sie wird ständig behindert. Neben Schnee und Glatteis, neben Treppenstufen, Schlaglöchern und Pflastersteinen ist die Gedankenlosigkeit ihr größter Feind. In kurzen und ergreifenden Geschichten erzählt Hontschik in ihrem Buch „Frau C. hat MS. Wenn die Nerven blank liegen“, das im vergangenen Jahr im Frankfurter Westend-Verlag erschienen ist und über das die DMSG Hessen in der Ausgabe 137 ihres Mitgliedermagazins „Dabei“ berichtet hat, was wir wirklich über das Leben mit MS wissen sollten.

Anlässlich einer moderierten Lesung gibt es am Donnerstag, 24. Januar, die Gelegenheit, die MS-betroffene Autorin, die in Frankfurt lebt, persönlich zu erleben.

Im Gespräch mit Rainer Weiss vom Westend-Verlag wird Claudia Hontschik über ihr Leben mit Multiple Sklerose erzählen, während eine Bekannte Passagen aus dem Buch vorlesen wird. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr im Bibliothekszentrum Frankfurt-Höchst (Michael-Stumpf-Straße 2, 65929 Frankfurt am Main). Der Eintritt ist frei. Die Lesung ist eine Veranstaltung der Stadtbücherei Frankfurt aus der Reihe „Streiflichter“ in Kooperation mit dem Westend-Verlag.

Anbei folgt die Besprechung von Dr. Christoph Kreck über das Buch Frau C. hat MS“, die in der „Dabei 137“ (Ausgabe 02/2018) erschienen ist:

Claudia Hontschik hat ein persönliches und offenes Buch über ihre 28 Jahre mit MS geschrieben: „Frau C. hat MS“. In knappen, mal traurigen, mal humorvollen Geschichten beschreibt sie ihre Erlebnisse. Ergänzt wird dies durch Informationskapitel. Biographien und Erfahrungen anderer, oft schwerer erkrankter MS-Patienten werden bei der Schilderung eines Interviewprojekts und bei ihren Zeiten in der Reha angefügt.

Frau C.s Krankheitsbeginn und die Stellung der Diagnose waren ungewöhnlich, mit zunächst einer gravierenden Fehldiagnose. Sie erlebte eine „Odyssee des Wahnsinns, der Irrtümer, des Soges in die medizinische Maschine“. Das war ein prägendes Erlebnis. Auch eine erfolglos bleibende Mitoxantrontherapie erfährt sie als in „Räder der Medizin“ zu geraten.

Im Laufe der Zeit mit MS werden neue Facetten wichtig. Man kann beim Lesen gut nachvollziehen, warum Mobilität und Autonomie so herausragende Themen sind. Der Rollstuhl bedeutet Freiheit,  Ausflüge und der Blick aus der Wohnung geben Lebensfreude.

Aufgegriffen wird der politische Skandal, dass das Behindertengleichstellungsgesetz von 2016 den privaten Sektor nicht einbezieht. Auch das oft umgangene Thema Selbstmord bei MS spricht Claudia Hontschik an. Manchmal reiche schon die Phantasie darüber, um sich in all dem Ausgeliefertsein ein wenig freier zu machen. Aber auch kleine Probleme des Alltags werden sichtbar. Es wird deutlich, dass diese nicht belanglos sind.

So beschreibt sie den Ärger über die aktuelle Zunahme des Kopfsteinpflasters, ohne Plattenstreifen für Menschen mit Rollstuhl oder Trägerinnen von Highheels. Es empört sie, wenn sie im Rollstuhl ungefragt geschoben wird. Bedauert wird der Verlust der Spontaneität, weil alles mit Zeit geplant werden muss. Spürbar ist die Wut über Unbedachtheiten im Umgang, gerade in der medizinischen Versorgung und im öffentlichen Raum, wie im Schauspielhaus Frankfurt. Skurille Erlebnisse sind der Gebrauch des Treppenlifters für die Pediküre, der Versuch, auf einen Hund aufzupassen, das Problem der Toiletten und elektrischen Toilettentüren.

Das Lesen des Buchs lohnt. Manchen MS-Betroffenen oder Angehörigen kurz nach Diagnosestellung, oder bei geringer Symptomatik würde ich es nicht schenken. Zu empfehlen ist es ansonsten MS-Betroffenen, ihren Angehörigen und allen am Thema MS Interessierten. Dr. Christoph Kreck

Hontschick, Claudia: Frau C. hat MS.  Westend-Verlag, Frankfurt 2018, 121 Seiten, 16 Euro.