Im atmosphärisch stimmigen Rahmen zeigte das Frankfurter Kino „Orfeos Erben“ den Film „Emilophélie“: Gut 65 Gäste schauten sich den gut einstündigen Spielfilm junger Frankfurter Filmemacher in dem fast voll besetzten Kinosaal an. Das Publikum zeigte sich beeindruckt von der sensiblen aber auch ab und an leichten Umsetzung des ernsten Filmstoffs um einen jungen Mann, der eben seine MS-Diagnose erhalten hat.

Eine lockere aber auch aufgeregte Stimmung herrschte im Foyer des Frankfurter Kinos „Orfeos Erben“ im Stadtteil Bockenheim. Dank des Angebots des Kinos konnte dort erneut der MS-Film „Emilophélie“ gezeigt werden, der anlässlich des Welt-MS-Tages 2015 im Deutschen Filmmuseum seine erfolgreiche Premiere gefeiert hatte. Wer die Aufführung damals verpasst hatte, hatte nun erneut die Gelegenheit. Im Mittelpunkt des Spielfilms, den eine Gruppe junger Frankfurter Studenten gedreht und produziert hat, steht die Geschichte über ein junges Pärchen: Emil und Ophélie. Er ist ein ernsthafter, ruhiger Mensch. Sie ist das Kontrastprogramm: quirlig, lebhaft. Emil hat kurz zuvor seine MS-Diagnose erhalten und weiß nicht, wie er damit umgehen soll, was ihn erwartet, ob und wem er sich anvertrauen kann.

Das Filmteam von „Emilophélie“ bei der Vorstellung in Orfeos Erben. Bild: Thelen

Für den Dreh hatte unter anderem die Frankfurter Beratungsstelle der DMSG Hessen an der Wittelsbacherallee als Kulisse gedient. Über viele Monate hatte die Crew an ihrem ehrgeizigen Projekt gearbeitet, in und um Frankfurt gedreht und viel Zeit im Schneideraum verbracht – mit Unterstützung des Kamerateams von Shutter Eye Lens. Alles neben der Arbeit und dem Studium. Aber all die Müh hat sich gelohnt: In Zusammenarbeit mit der DMSG Hessen zeigte das Film-Team den Spielfilm erstmalig im Mai am Welt-MS-Tag im Filmmuseum in Frankfurt.

Jetzt bot sich in Kooperation mit dem Frankfurter Kino „Orfeos Erben“ erneut die Gelegenheit, den Film zu sehen. Gut 65 Gästen fanden sich zu der Vorstellung in dem traditionsreichen Kino an der Hamburger Allee ein. Im Foyer des Kinos hatte die DMSG Hessen auch Informationsmaterial über die Erkrankung Multiple Sklerose, für Neu-Betroffene und über die Selbsthilfeorganisation sowie ihr umfangreiches Angebot ausgelegt.

Nach der Vorstellung schloss sich eine Diskussion mit Marcus Schill (Emil), Simone Beege (Ophélie), Amanda Glanert (Karin), Miriam Dold (Regisseurin) und der Frankfurter MS-Betroffenen Stephanie Held von der MS-Gruppe „haMSter“ an, die Monika Dettke, Leiterin Soziale Dienste bei der DMSG Hessen, informativ und charmant moderierte. Neben den amüsanten Berichten über den durchaus nervenaufreibenden Dreh und den Arbeiten im Schneideraum und am Ton interessierte sich Moderatorin Monika Dettke vor allem für den Aspekt, warum sich junge Menschen mit dem Thema Krankheit auseinandersetzten und wie sie auf das Thema MS gekommen seien. „Wir kannten uns von einer Theatergruppe an der Uni, hatten ein Musical gemacht und danach das Bedürfnis, uns mit einem anspruchsvolleren und ernsthafteren Thema zu befassen, verknüpft mit einer Botschaft. Wir wollten uns dabei auf eine Erkrankung konzentrieren, die nicht so beachtet wird in der Öffentlichkeit“, erklärte Regisseurin Miriam Dold und fuhr fort: „Eine Freundin meiner Schwester hat MS. So kamen wir auf die Idee, wie sich für einen jungen Menschen anfühlen muss, diese Diagnose zu erhalten, und für den es sehr schwierig ist, sich seinem Umfeld mitzuteilen. Darüber wollten wir einen Film machen und in den Mittelpunkt die zentrale Frage stellen: ‚Was macht das Wissen um die Diagnose mit Dir?'“.

Nach der Vorstellung diskutierten Regisseurin Miriam Dold (v.re.n.li.), die junge MS-Betroffene Stephanie Held von der MS-Gruppe „haMSter“, Ophélie-Darstellerin Simone Beege und Amanda Glanert( li.), die im Film die Rolle der Karin spielt. Monika Dettke, Leiterin Soziale Dienste bei der DMSG Hessen, moderierte. Bild: Thelen

Wichtig sei es ihnen gewesen, die Erkrankung, die Gefühle, das Diagnosegespräch mit dem Arzt möglichst authentisch darzustellen, damit sich MS-Betroffene mit dem, was sie erlebt und gefühlt haben, auch tatsächlich in dem Film wiedererkennen, ergänzte Simone Beege, die in dem Spielfilm Emils Freundin Ophélie spielt: „Die Premiere am Welt-MS-Tag war für uns daher die Feuerprobe, und wir waren danach so erleichtert, als wir von den MS-Betroffenen so ein positives Feedback erhalten und so viele tolle Gespräche geführt haben.“

Als sehr realistisch bezeichnete auch Stephanie Held die Darstellung in „Emilophélie“. Sehr offen berichtete Stephanie Held von ihrem Leben und ihrem Alltag als junge MS-Betroffene. Seit zehn Jahren ist die heute 30-jährige Frankfurterin an MS erkrankt. Während ihrer Abiturprüfungen hatte sie ihre ersten Schübe. Schon kurz nach der Geburt ihres Sohnes  2010 verließ  ihr Mann die Familie. Seither ist sie alleinerziehend.  Doch von all dem hat sie sich nicht entmutigen lassen, sondern ihr Leben in die Hand genommen. Bereits wenige Monate nach der Geburt fing die ausgebildete IT-Systemkauffrau wieder an zu arbeiten. „Mein Arbeitgeber weiß von meiner Erkrankung und stellt sich gut darauf ein.“ Auch ihr neuer Lebenspartner, mit dem sie seit gut 1,5 Jahren liiert ist, unterstützt sie. Überhaupt erhalte sie aus ihrem Umfeld, Familie, Freunde, Bekannte, der DMSG Hessen und in ihrer MS-Selbsthilfegruppe, immer die Hilfe, die sie braucht, wird motiviert und gestützt. Die MS-Gruppe „haMSter“, die sie mitgegründet hat und die sich einmal monatlich trifft, sei für sie eine wichtige Anlaufstelle. Hier werde über Themen gesprochen, die vor allem junge Menschen mit Multiple Sklerose betreffen: Partnerschaft, Familie, Beruf, Kinderwunsch.

Aufgeschlossen und interessiert verfolgte das Publikum die 45-minütige Diskussion, stellte Fragen zum Thema „Suizid bei MS“. „Die Suizidrate ist bei MS nicht höher als sonst im Durchschnitt der Bevölkerung“, erläuterte Monika Dettke. Auch die Frage, wie lange es dauern kann, bis MS als Diagnose feststeht, wurde gestellt. Mittlerweile könnte heutzutage die Diagnose dank präziserer Verfahren deutlich rascher als früher gestellt werden. Allerdings ist das nach wie vor von Fall zu Fall unterschiedlich und hänge auch davon ab, ob etwa ein Augenarzt bei einer Sehstörung eine neurologische Ursache vermute.

Auf Nachfrage berichtete die Regisseurin zudem, dass der Film beim „Chicago International Film Festival“ als Wettbewerbsbeitrag eingereicht werden soll. Auch steht eine Vorführung bei der DMSG Brandenburg und voraussichtlich im nächsten Frühjahr in der Frankfurter Kulturlounge an.

Knapp die Hälfte des Eintrittsgeldes kommt dank der Unterstützung von Orfeos Erben der DMSG Hessen zugute. Das Kino hatte der MS-Selbsthilfeorganisation das Angebot gemacht, den Film als Benefizaktion vorzuführen. So verzichtete das Kino auf die sonst übliche Saalmiete und spendet der DMSG Hessen einen Großteil der Einnahmen aus dem Kartenverkauf.

Übrigens können sich MS-Gruppen über die DMSG Hessen eine DVD des Films „Emilophélie“ ausleihen, damit sie den Film in ihrer Gruppe zeigen können, Kinoabende organisieren, bei Offenen Treffs oder anderen Gelegenheiten vorführen können. Interessierte melden sich bei Stefanie Reich, Tel. 069/405898-21, Email: reich@dmsg-hessen.de, oder bei Caroline Bleschke, Tel. 069/405898-25, Email: bleschke@dmsg-hessen.de. Sonja Thelen 

Die Besucher der Film-Vorstellung im Frankfurter Kino Orfeos Erben konnten sich mit Infomaterial der DMSG Hessen eindecken. Bild: Thelen