__________________________________________________________________________
Leserbrief Kreis-Anzeiger .....
Pressemitteilug MS-Frösche ......
___________________________________________________________________
Spendenscheckübergabe Gartencenter CHRIST

__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
Spendenscheckübergabe Gartencenter CHRIST

__________________________________________________________________________
Gelee, Marmelade und Chutneyverkauf

________________________________________________________________________
"Fest der Sinne" in Kefenrod Schreinerei B.Reutzel

__________________________________________________________________________
Run for Help

__________________________________________________________________________

__________________________________________________________________________
Vortrag: Harnverlust

__________________________________________________________________________
Run for Help

__________________________________________________________________________

__________________________________________________________________________
Ausflug nach Lobbach

__________________________________________________________________________

MS-Frösche vermitteln Eindruck vom Leben mit Behinderung - Bürgermeister sammelt Erfahrung im Rollstuhl
ALTENSTADT (ten). „Multiple Sklerose heißt die Krankheit mit den 1000 Gesichtern“, erklärt Ingrid Türk, Leiterin der Selbsthilfegruppe MS-Frösche Büdingen - Altenstadt. Bei jedem Patienten verlaufe sie unterschiedlich, Voraussagen über die Auswirkungen, wann und wie stark sie eintreffen, sind nicht möglich. Um gesunden Menschen einen Eindruck zu vermitteln, wie die Multiple Sklerose selbst alltägliche Verrichtungen erschwert, hatten die MS-Frösche am Welt-MS-Tag vor dem Rewemarkt in Oberau eine sogenannte Fühlstraße aufgebaut.
Einfache Hilfsmittel sollten zumindest annähernd die Einschränkungen, die die Krankheit verursacht, simulieren.„Das Gefühl in den Händen ist, als ob man dicke Handschuhe anhätte“, beschreibt Peter Schöndorf die Auswirkungen der Defekte im Nervensystem. Wie sich das im Alltag auswirkt, konnten Passanten erfahren, wenn sie mit Bauhandschuhen eine Kittelschürze zuzuknöpfen oder Kartoffeln zu schälen versuchten.
„Da waren zwei Hausfrauen, die jeden Tag kochen, die hätten am Besten die Schale gekocht“, lacht Türk. Wie den an MS Erkrankten gelang es auch den Besuchern am Informationsstand nicht, die Kartoffeln hauchdünn abzuschälen. Durch die Handschuhe des Gefühls beraubt, schnitten sie statt der Schale zentimeterdicke Stücke von den Kartoffeln ab.
Eine schwach aufgeblasene Luftmatratze simulierte den unsicheren Gang, der sich einstellt, wenn man kein Gefühl in den Beinen hat.
„Ganz extrem wurde es, wenn ich den Leuten dann noch die Brille aufgesetzt habe“, erzählt Schöndorf. Bei einer gewöhnlichen Brille war die Mitte der Gläser abgeklebt. So konnten die Passanten nur am Rand sehen. Das simuliert eine Störung der Sehnerven, wie sie bei MS-Kranken häufig auftritt. Sie sind dann in der Mitte des Blickfelds blind.
An einem fünfadrigen dicken Kabel demonstrierte Schöndorf die Ursache dieser Nervenstörungen. Wie das Kabel bestehen auch Nerven aus einzelnen Adern, den Strängen. Diese leiten durch elektrische Impulse die Reize im Körper weiter und sind durch eine sogenannte Myelinschicht voneinander isoliert.
Ebenso wie bei dem Kabel, bei dem die Isolierung zwischen den Adern durchtrennt wurde, kommt es auch bei den Nervensträngen, deren Myelinschicht durch eine Fehlfunktion des Körpers abgebaut wird, zu Kurzschlüssen. Schöndorf erklärt, dass es dem MS-Kranken dadurch nicht möglich ist, eine Kaffeetasse über das Gefühl in der Hand festzuhalten. Er muss immer mit den Augen kontrollieren, ob er die Tasse noch in der Hand hat.
Kathrin Fischbach vom Sanitätshaus Bußfeld Schiller hatte mehrere Rollstühle mitgebracht, damit Besucher erleben konnten, wie schwer es ist, ohne laufen zu können, Einkäufe zu erledigen. „Nichts ist augenscheinlicher, als wenn man selbst in dem Stuhl sitzt“, erkannte auch Bürgermeister Norbert Syguda. Er war am Mittag ebenfalls an den Rewemarkt gekommen, um sich zu informieren. Von Schöndorf zunächst geschoben, versuchte er einen Eindruck zu gewinnen, welche Probleme er beim Einkaufen hätte.
Gleich hinter dem Eingang wartete die erste Hürde. Spargel und Bio-Salatgurken waren ebenso wie verschiedenes anderes Obst und Gemüse nicht erreichbar, weil sie zu hoch in den Regalen lagen. Eine Erfahrung, die Syguda immer wieder bei dem Rundgang machte. Wenn er tatsächlich nicht aus dem Rollstuhl aufstehen könne, müsse er jemanden um Hilfe bitten, stellte er fest. „So was Triviales wie Einkaufen funktioniert nicht alleine, da brauche ich mindestens zwei Leute“, erkannte Syguda.
Marktleiter Vasilij Meserjakov, der die Aktion unterstützte, versicherte, dass Kunden, die Hilfe benötigten, von seinen Mitarbeitern unterstützt würden. Da hatte Syguda bereits das nächste Problem bemerkt. Denn der Rollstuhl hatte, außer dem Schoß, keine Möglichkeit, die Waren abzulegen.
Auch hier wusste Meserjakov Rat. Ein spezieller Einkaufswagen lasse sich vor den Rollstuhl schnallen. Zumindest theoretisch. Gerade bei dem Testrollstuhl passten die Befestigungsgummis des Wagens nicht an die Seitenlehnen. Durch die vielen verschiedenen Rollstuhlmodelle auf dem Markt ist es kaum möglich, eine universelle Lösung zu entwickeln.
Insgesamt stellt Türk den Geschäften in Altenstadt aus der Sicht der MS-Kranken ein gutes Zeugnis aus. „In Büdingen einkaufen gehen, kann man vergessen“, hielt sie dagegen. Insbesondere Supermärkte erschwerten das Einkaufen durch im Gang abgestellte Paletten und Gegenstände. „Behindert ist man nicht, behindert wird man“, lautet ein Schlagwort der Selbsthilfegruppen.
Die MS-Frösche werden ihre Fühlstraße auch am Sonntag, 13. Juni, in der Altenstadthalle bei einer Präsentation Altenstädter Vereine vorstellen. _________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________

__________________________________________________________________________
__________________________________________________________________________ |