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MS und Schwangerschaft, Prof. Dr. Judith Haas, 16.07.2003
Protokoll der Fragen und Antworten aus dem ExpertenChat mit Frau Prof. Dr. Judith Haas vom 16.07.2003.
Moderator Achim Drossbach: Guten Abend und herzlich willkommen bei unserem Expertenchat zum Thema "MS und Schwangerschaft" mit Frau Prof. Dr. Judith Haas, Chefärztin der Neurologischen Abteilung im Jüdischen Krankenhaus Berlin. Vielen Dank Frau Professor für Ihre Teilnahme. Der Chat ist bis 20.30 Uhr geöffnet. Wir wünschen allen Teilnehmern viel Spaß beim chaten.

lotte beck: Wann sollte man nach der Geburt mit einer Immunglobulin-Therapie beginnen? Beeinträchtigt eine Therapie mit Immunglobulinen das Stillen bzw. bestehen da Bedenken aufgrund möglicher Viren- und/oder HIV-Infektionen für das Kind?

Prof. Dr. Judith Haas
Prof. Dr. Judith Haas:
Das Schubrisiko nach der Geburt ist am höchsten in den ersten 3 Monaten. Um einen raschen Schutz vor Schubaktivität zu bekommen, ist es wichtig, dass die Immunglobuline möglichst innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt gegeben werden. Es bestehen keine Bedenken bezüglich des Übertritts der Immunglobuline in die Muttermilch. Die heutigen Herstellungsverfahren der Immunglobuline erlauben insbesondere HIV Viren nicht zu überleben, auch die Virussicherheit für bekannte Viren ist gewährleistet. Die Europäischen Ethikkommissionen hatten keine Bedenken gegenüber dem Einsatz von Immunglobulinen während der Stillzeit im Rahmen der sog. GAMPP-Studie.

lotte beck: Bestehen zwischen der ersten und einer zweiten Geburt prinzipielle Unterschiede? Ich habe Geburt und Stillzeit bei meiner ersten Geburt vor 1,5 Jahren soweit ganz gut (2 Schübe) überstanden und noch mit keinerlei Langzeittherapie begonnen, da ich eventuell gerne noch ein zweites Kind möchte. 

Prof. Dr. Judith Haas: Grundsätzlich gibt es keine Bedenken gegen eine zweite Schwangerschaft. In Anbetracht der Tatasache, dass sie innerhalb der letzten 18 Monate zwei Schübe hatten, ist aber eine Immuntherapie nach der Geburt zu empfehlen. Wenn Sie nicht stillen, können Sie auch mit einem der Standardpräparate (Beta Interferone oder Copaxone) beginnen.

lotte beck: Würden sie ein Standardpräparat gegenüber einer Immuntherapie bevorzugen? Wenn ja warum (vielleicht könnten sie genauer auf die Wirkungsweise der Immuntherapie eingehen)? Wie lange dauert eine Immuntherapie und kann/sollte man ggfs. danach z.B. mit Copaxone beginnen?

Prof. Dr. Judith Haas: Ich empfehle meinen Patienten nach der Geburt zu stillen, Immunglobuline als Schutz vor Schüben entsprechend den Empfehlungen der deutschsprachigen MS-Experten als Therapie zu wählen und erst nach dem Abstillen eines der Standardpräparate einzusetzen, die ja auch während der Stillzeit nicht gegeben werden können. Immunglobuline sind körpereigene Immunregulatoren, die die sogenannten Autoimmunprozesse bei der MS hemmen. Es besteht derzeit keine sog. arzneimittelrechtliche Zulassung für die MS, so dass Immunglobuline aufgrund dieser Situation nur dann zum Einsatz kommen können, wenn Gegenanzeigen wie Kinderwunsch, Stillzeit oder Begleiterkrankungen den Einsatz von Avonex, Betaferon, Rebif, Copaxone und Imurek nicht zulassen. Welches Präparat Sie nach der Stillzeit wählen, sollten Sie mit Ihrem Neurologen besprechen, der Ihre persönlichen Umstände am besten beurteilen kann, damit Sie das Präparat wählen, das Ihre Lebensqualität am wenigstens beeinträchtigt und damit auch gewährleistet ist, dass Sie es ausreichend lange nehmen werden.

lotte beck: Ich habe während oder direkt nach der Geburt eine Schwangerschaftsvergiftung bekommen (zu hoher Blutdruck und zu wenig weisse Blutkörperchen). Während der Geburt habe ich eine pda bekommen, damit der Blutdruck nicht noch weiter steigt, sehen sie da irgendeinen Zusammenhang mit der MS?

Prof. Dr. Judith Haas: Ein Zusammenhang mit der MS besteht hier sicher nicht. Falls sie aber eine Nierenschädigung haben, muss man den Einsatz von Immunglobulinen nach der Geburt mit den Nierenspezialisten besprechen, da geschädigte Nieren durch Immunglobuline in ihrer Funktionsfähigkeit beeinträchtigt werden können.

Moderator Achim Drossbach: Die Chatzeit ist nun vorbei. Wir danken den Teilnehmern für ihr Interesse sowie Frau Prof. Haas für ihre Mitarbeit.

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