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Alternativtherapien bei MS, D.-R. Noschinski, 18.06.2003
Protokoll der Fragen und Antworten aus dem ExpertenChat mit Dirk-Rüdiger Noschinski vom 18.06.2003.
Moderatorin Renate Schön: Hallo und schönen guten Abend, ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zum heutigen Chat mit Herrn Noschinski. Hallo Herr Noschinski - ich möchte Sie auch über diesen Weg ganz herzlich grüßen. Sind Sie bereit? Ich wünsche einen angeregten, interessanten Informations-und Erfahrungsaustausch!

Dirk-Rüdiger Noschinski:  Hallo Frau Schön, ich bedanke mich für die Einladung und bin bereit.

Witti: Welche Alternativtherapien halten Sie für sinnvoll?

Dirk-Rüdiger Noschinski

Dirk-Rüdiger Noschinski: Das ist eine Frage möglicher Störfaktoren bei MS und des Zustands des Betroffenen. Als Basistherapie halte ich vor allem die Mikronährstofftherapie für wichtig, also die Behandlung mit Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen usw. in therapeutischer Dosierung. Außerdem: Osteopathie, Immunmodulation, Homöopathie. Haben Sie Fragen dazu ?

Witti: Ja, danke: Welche Vitamine und Mineralstoffe halten sie für sinnvoll, zusätzlich zur Ernährung zu ergänzen, insbesondere an Vitamin E?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Vitamin E als Monotherapie ist nicht sinnvoll. Vitamin E dient als Radikalenfänger an der Zellmembran und wird nach dem quenchen ("Abfangen" von Freien Radikalen) selbst zu einem Radikal. In Kombination mit Vitamin E würde ich Selen + Vitamin C + ß-Carotin + eine schwefelhaltige Aminosäure (z.B. L-Cystein) oder Gluthation empfehlen. Das Vitamin E ist übrigens ein guter Partner bei der Therapie mit Omega-3-Fettsäuren (als Medikament oder in Form von z.b. Fisch, Walnüssen etc.), da er die Oxidation dieser empfindlichen Fette verhindert.

Witti: Was könnte man Homöopathisch tun, bzw. wie kommt man an einen guten Homöopathen ran, der auch Ahnung von MS hat?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Das hängt davon ab, ob man/frau sich klassisch-homöopathisch behandeln lassen möchte, also bei jemandem, der sich mehr oder weniger streng nach den Regeln des "Organon" und Hahnemanns richtet (Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie) oder ob man sich z.B. klinisch-homöopathisch behandeln lassen möchte. In der Homöopathie existieren verschiedene Wege zur Behandlung der MS, einige häufiger gebrauchte Mittel sind z.B. Gelsemium oder Syphillinum. Ich würde den HP-Kollegen einfach ansprechen, ob und wieviel Erfahrung sie/er mit der Behandlung von MS hat.

Witti: Was halten Sie von Fischölkapseln als Nahrungsergänzung?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Gute Idee, mindestens 3 Gramm Fischöl pro Tag über einen längeren Zeitraum, dazu die vorhin genannten Mikronährstoffe. Wichtig ist es, die Kontraindikationen (hauptsächlich ist das eine zu hohe Blutverdünnung z.B. durch Marcumar) zu beachten.

Witti: Wovon halten Sie mehr - Klassisch-homöopatisch oder klinisch-homöopatisch? Worin liegt der Unterschied?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Ich selbst arbeite klinisch, das vor allem deswegen, weil ich verschiedene Therapien bei MS kombiniere (z.B. Ernährung, Enzyme, Osteopathie, Akupunktur usw.). Der klassische Homöopath sieht die Homöopathie eher als Monotherapie. Mein Ziel ist es, Synergismen zu schaffen, daher favorisiere ich eher meine Methode. Andererseits: Die klassische Homöopathie ist eine mächtige Therapie, keine Frage.

Witti: Gibt es Lebensmittel, die wir MS'ler meiden sollten? Eine Leidensgenossin hatte mal was über Nüsse gelesen, die man meiden sollte - dabei enthalten die doch viel Vitamin B?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Es gibt verschiedene Ernährungsmodelle bei MS: Evers-Diät (Rohkostdiät) - nicht optimal wegen zu hoher Arachidonsäure in der Nahrung, ausserdem ist Rohkost nicht für jeden verträglich und kann im ungünstigsten Fall negative Wirkungen auf den Darm haben (Durchfall, Reizung, Schleimhautschädigung), Diät nach Agranoff und Goldberg (absolute Karenz von Kuhmilch) - nur in bestimmten Fällen sinnvoll, Diät nach Lutz und Eckel (Kohlenhydratfreie Ernährung) - halte ich persönlich für nicht besonders empfehlenswert, Millar-Diät (Ernährung mit einem hohen Gehalt an Linolensäure zur Sättigung des Bedarfs an essentiellen Fettsäuren), Swank-Diät (extrem fettarme Ernährung) - in Großbrittanien und in USA als MS-Diät verbreitet. Es existiert eine Modifikation nach Crawford, bei der Speiseöle mit einem hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren in den Speiseplan mit aufgenommen werden. Crawford setzt darüber hinaus Nachtkerzenöl bei MS ein. Fratzer-Diät (drastische Reduktion linolsäurereicher Lebensmittel). meine Meinung: Ausprobieren was funktioniert, in jedem Fall aber hocherhitzte Fette meiden, vitalstoffreiche Frischkost essen (mediterrane Küche bevorzugen), viel Seefisch.

Witti: Na dann ist ja mein Abendessen Tomaten mit Mozarella genau richtig.

Moderatorin Renate Schön: Hmmm-ich bekomme auch Appetit.

Witti: Ich würde auch gerne was abgeben, geht aber schlecht durchs Netz.

Witti: Was halten Sie von der CranioSacralTherapie? Die wird bei meiner Krankengymnastik u. a. angeboten?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Als ergänzende Maßnahme zu einem MS-Konzept perfekt! Ich setze in meiner Praxis sehr häufig die CST ein. Bei motorischen Veränderungen und/oder MS-bedingten Haltungsschäden ist es von Vorteil, zusätzlich muskulo-skelettale bzw. viszerale Osteopathie einzusetzen. Das Ziel ist hier, die durch die MS hervorgerufenen Fehlstellungen zu verbessern und die Statim zu optimieren.

Witti: Was ist eigentlich Osteopathie? Kann das auch über Krankengymnasten angeboten werden?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Bei der Osteopathie handelt es sich um ein manuelles Behandlungsverfahren, das im 19. Jahrhundert in den USA von Andrew Taylor Still entwickelt wurde. In den Beneluxstaaten wird die Osteopathie von vielen KG's angeboten. In Deutschland sollte der Behandler -juristisch gesehen- Arzt oder HP sein, das hat etwas mit dem Haftungsrecht zu tun. Nicht wenige KG's in Deutschland studieren Osteopathie berufsbegleitend an Colleges, die verfügen dann über ein großes Know-How über Osteopathie. Generell finde ich es aber sinnvoll, dass jemand mit Osteopathie bei MS-Patienten arbeiten sollte, der auch mit MS Erfahrung hat, egal ob KG, HP oder Arzt.

Witti: Wie oft sollte so eine CST angewendet werden?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Das hängt vom Zustand des MS-Patienten, von der Erfahrung des Therapeuten und der jeweiligen Situation ab. Ich spreche jetzt von meiner eigenen Erfahrung/Vorgehensweise, ok ? Ich arbeite in einem Rhythmus von 1 Woche bis 4 Wochen.

Witti: Welche Ähnlichkeiten oder Unterschiede gibt es zwischen CST und Osteopathie?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Sehr große Unterschiede ! CST ist eine sehr sanfte Therapie mit einer therapeutischen Interventionskraft von 20-30 G r a m m ! Viszerale Osteopathie kennt sanfte und weniger sanfte Techniken, ebenso wie die muskulo-skelettale Osteopathie. Der Unterschied besteht in der Frage: Welches Gewebe bzw. welche Dysfunktion möchte ich behandeln ?

Witti: Prima, jetzt kann ich mir darunter schon eher was vorstellen. Wie findet man einen guten Osteopathen, gibt es da so etwas wie einen Berufsverband?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Ja. Die Osteopathen in Deutschland sind vor allem im VOD (Verband der Osteopathen in Deutschland) organisiert. Die osteopathisch arbeitenden HP sind in der ACON (Arbeitskreis für Chiropraktik, Osteopathie und Neuraltherapie) berufsständisch organisiert. Die ACON findest Du unter www.acon-ev.de, die Adresse vom VOD habe ich nicht parat, schau mal bei "google" unter dem Stichwort "osteopathie", da wirst Du bestimmt fündig.

Witti: Vielen Dank für die Internetadressen. Gibt es aus Ihrer Erfahrung noch Informationen, die bei der Auswahl zur Osteopathie (Therapeut, etc) wichtig sind?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Ganz vorne würde für mich die Frage stehen (und zwar egal, um welche Art von Therapie es sich handelt) "Wieviel Erfahrung hat dieser Therapeut mit MS?" Welche Therapien begleitend bzw. alternativ einzusetzen sind, ist immer eine Frage individueller Faktoren, z.B. schubweiser oder progredienter Verlauf? Zustand des Betroffenen, z.B. hinsichtlich Einschränkungen? Wie schnell schreitet die MS voran? usw.

Witti: Können oder sollten alternative Therapien die immunmodularischen Maßnahmen ersetzen oder nur ergänzen? Ich habe gerade mit Copaxone begonnen und leide noch unter den täglichen Spritzen.

Dirk-Rüdiger Noschinski: Diese Frage ist nur ganz schwer zu beantworten, Witti. Das hängt von vielen Faktoren ab. Es ist sinnvoll, eine bereits bewährte schulmedizinische Therapie fortzuführen. Andererseits gibt es eben auch Betroffene, denen hat z.B. ß-Interferon nichts gebracht. Dann ist es meiner Meinung nach in Ordnung, eine alternative immunmodulatorische Therapie anzubieten.

Witti: Copaxone hat mein Neurologe ausgewählt, weil es die geringsten Nebenwirkungen hat und meine Leberwerte bei einem Routinecheck kurz vorher erschreckend schlecht waren! Welche alternativen immunmodulatorischen Therapien kämen denn in Frage, wenn ich mit den Copaxonen nach den Anfangsschwierigkeiten auch weiterhin nicht klar komme?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Immunmodulierend wirken u.a. Enzyme, Mikronährstoffe. Ich selbst setze bestimmte immunologische Spezialitäten wie z.B. die Serumdesensibilisierung nach Theurer ein (eine Variante der Eigenbluttherapie, bei der Antikörper speziell aufbereitet werden). Eine andere Frage ist: Warum sind die Leberwerte erhöht? Die Leber muss sehr viel Arbeit bei MS-Patienten leisten und sie ist wichtig, auch für immunologische Fragen (Stichwort "Kuppffer'sche Sternzellen")

Moderatorin Renate Schön: Hallo -ich möchte ja nicht unhöflich wirken- aber in Hinblick auf die Uhrzeit und dem bevorstehenden Abendessen möchte ich den Chat schließen. Auch für mich war es ein aufschlussreicher Austausch. Ich bedanke mich für die Beteiligung und wünsche noch einen angenehmen (genussvollen) Abend und sage von hier aus schon mal tschüss bis zum nächsten Mal. Danke!

Witti: Mein Informationsbedarf zu den Therapien um MS ist so groß, da sie erst Oktober letzten Jahres diagnostiziert wurde. Deshalb meine Neugier und vielen Dank für die informativen und ausführlichen Antworten.

Dirk-Rüdiger Noschinski: Gerne. Bei Interesse: Die DMSG hat einen Artikel von mir in ihrer Zeitschrift "dabei" abgedruckt, ausserdem kannst Du auf meiner Homepage nachschauen: www.der-naturheilpraktiker.de

Witti: Danke, das mache ich gerne. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und vielen Dank. Übrigens warum meine Leberwerte so schlecht sind versucht meine Innere Ärztin auch verzweifelt herauszubekommen.

Dirk-Rüdiger Noschinski: Tipp: Durchgemachte Hepatitis? Durchgemachte Infektion mit dem Eppstein-Barr-Virus (verursacht das Pfeiffer'sche Drüsenfieber)? Cortisontherapie? "Die Pille"? Der Eppstein-Barr-Virus wäre sehr spannend bezüglich einer möglichen MS-Auslösung, jedenfalls nach meiner Erfahrung. Ich wünsche ebenfalls einen schönen Abend bei Tomaten und Mozarella, guten Appetit !

Witti: War ich eigentlich die einzige MS-Betroffene hier? Wie auch immer, schöne Grüsse aus Berlin und jetzt gibt es Nachtisch, eine Kiwi.

Witti: Hepatitis B hatte ich laut Bluttest mal, aber nicht gemerkt, was wohl sehr ungewöhnlich ist. Ich bin aber mal gegen irgendeine Hepatitis geimpft worden.

Dirk-Rüdiger Noschinski: OK, aber es gibt noch andere Hepatitiden (A, C, D, E usw.) Ich persönlich tippe möglicherweise auf EBV (Eppstein-Barr-Virus), das Pfeiffer'sche Drüsenfieber spürt man oft nur in Form einer "Angina". Sprich Deine Ärztin darauf mal an. Falls alle Tests nichts ergeben: Denke auch mal an Umweltgifte, die gleichzeitig neurotoxisch wirken und die Leber schädigen (Umweltmediziner ansprechen, gibt's in Berlin mit Sicherheit)

Witti: Danke, auf das Pfeiffersche Drüsenfieber spreche ich sie nochmal an. Kann dies auch über das Blut ermittelt werden? Sind sie an der Antwort interessiert?

Dirk-Rüdiger Noschinski: Ja, Antikörper gegen EBV (da gibt es verschiedene Tests, z.B. IgM, IgG usw.), das wird einfach im Blut untersucht.

Witti: Danke nochmals, es war meine letzte Frage für heute, auch wenn ich stundenlang weiter fragen und chatten könnte. Nochmals schönen Abend und ganz lieben Dank.

Dirk-Rüdiger Noschinski: Gerne, vielen Dank für den Besuch des Chatrooms. Vielen Dank auch an die DMSG für die freundliche Einladung. Für weitere inhaltliche Fragen zum Thema - wie gesagt - www.der-naturheilpraktiker.de, dort gibt es auch Kontaktmöglichkeiten (E-Mail Pop-Ups). Gute Nacht an Alle !

Anmerkung der Chatredaktion:
Dirk-Rüdiger Noschinski ist Heilpraktiker mit einer eigenen Praxis in Bad Soden am Taunus. Er hat verschiedene Zusatzqualifikationen absolviert, u.a. in Osteopathie, Chiropraktik, Mikrobiologie, Spagyrik und Orthomolekularer Medizin.
Neben seiner Praxistätigkeit arbeitet Dirk-Rüdiger Noschinski in der Erwachsenenbildung und publiziert in verschiedenen Fachorganen.
Er ist Mitglied im Berufsverband Freier Heilpraktiker, der Arbeitsgemeinschaft für Chiropraktik, Osteopathie und Neuraltherapie Deutscher Heilpraktiker ACON und der Gesellschaft für komplementäre Orthomolekularmedizin GKOM. Hier finden Sie seine Internet-Seite:
www.der-naturheilpraktiker.de 

 

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