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| Akt. Stand der MS-Forschung, Prof. Dr. H. Schipper, 21.05.2003 |
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Moderatorin Doris Althofen: Herzlich willkommen bei unserem Chat zum Thema "Aktueller Stand der MS-Forschung". Stellen Sie Ihre Fragen an unseren Experten Herrn Prof. Dr. Schipper, Chefarzt der Schloßberg-Klinik Wittgenstein, Fachklinik für MS- und Parkinson-Kranke in Bad Laasphe. Vielen Dank Herr Professor für Ihre Teilnahme. Wir wünschen allen TeilnehmerInnen eine interessante Fragerunde.
Peter Schneider: Guten Abend Herr Professor Schipper, ich wuerde gerne wissen ob es Medikamente (Tabletten) gibt die bei schubfoermigem MS-Verlauf besonders wirksam sind. Vielen Dank!
Prof. Dr. Hayo Schipper: Als immunmodulierende Langzeittherapie ist in oraler Form zur Zeit nur Azathioprin zugelassen. Eine Cortison-Intervalltherapie ist umstritten. Sonstige MS-Therapien in Tablettenform werden zur Zeit erprobt (Rapamune, Myriocin, Xaliproden, orales Myelin), sind aber noch nicht für Therapiezwecke zugelassen.
Peter Schneider: In einer MS-Zeitschrift habe ich einen Bericht ueber eine Medikamentenstudie gelesen. Dort wurde ueber Phase 2 und Phase 3 berichtet. Was bedeuten diese Phasen?
Prof. Dr. Hayo Schipper: In Phase-I-Studien wird die Verträglichkeit eines Medikamentes und seine wirksame Dosis getestet. In Phase-II-Studien wird die Wirkung des Medikamentes auf eine bestimmte Krankheit, z.B. MS untersucht, um erste Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit zu gewinnen. In Phase-III-Studien wird bei einer größeren Zahl von Betroffenen über einen längeren Zeitraum von meistens 2 Jahren die Wirksamkeit weiter belegt, insbesondere mit sogenannten Doppel-Blind-Studien an mehreren Zentren. Erst bei Wirksamkeitsnachweis des Medikamentes auch in diesen Studien kann die Zulassung erfolgen.
Franz Krämer: Guten Abend, Herr Prof. Schipper, ich habe vor kurzem einen Bericht in hr1 über einen Herrn Dr. Hebener gehört. Er hat als Studiogast auch über seine linolsäurearme Ernährungsvorschläge und eine Fallbeobachtungsstudie gesprochen. Was halten Sie davon?
Prof. Dr. Hayo Schipper: Herr Dr. Hebener vertritt die Therapie des verstorbenen Dr. Fratzer, deren Grundlage eine linolsäurearme Ernährung mit der Zufuhr von Fischölkapseln, Muschelfleischextrakten, Selen sowie den Vitaminen E und B darstellt, teilweise in Kombination mit Coenzym Q10. Das Therapieprinzip beruht auf teilweise umstrittenen Behauptungen, seine Wirksamkeit ist nicht durch kontrollierte Studien (vom Typ der o.g. Phase-I bis Phase-III-Studien) untersucht, geschweige denn belegt. Positive Einzelfallberichte können bekanntlich die Wirksamkeit einer MS-Behandlung nicht belegen, auch keine offenen Fallbeobachtungsstudien. Andererseits sind auch keine schädlichen Wirkungen dieser Therapie bekannt, solange sie nicht mit unkontrollierten Cortison-Gaben verbunden wird.
Karin Wagner: Guten Abend, leider bin ich etwas spät, hoffe aber Sie können meine Frage noch beantworten. Ich habe seit ca. 5 Jahren die Diagnose MS - primär chronisch progredient. Bin 46 Jahre. Gibt es Studien oder gar in naher Zukunft ein Medikament für mich ?
Prof. Dr. Hayo Schipper: Es gibt leider keine wirklich wirksame Therapie zur Langzeitbeeinflussung des Verlaufes der primär chronisch progredienten Form. Vereinzelte Studien berichten über die Wirksamkeit von Cyclophosphamid, niedrigdosiertem Methotrexat, in älteren Studien gelegentlich auch von Azathioprin. Die hoffnungsvollen Ergebnisse von Betaferon und Mitoxantron bei sekundär chronisch progredientem Verlauf sind nicht ohne weiteres auf die primär chronisch progrediente Verlaufsform zu übertragen. Natürlich sind verschiedene Studien zu dieser Fragestellung eingeleitet, hoffnungsvolle Ergebnisse für die nächste Zukunft sind aber bisher noch nicht berichtet worden. Es bleibt somit lediglich die Möglichkeit, die im Einzelfall jeweils bestehenden Symptome gezielt anzugehen.
Franz Krämer: Also kann ich mit einer solchen Ernährung nichts falsch machen und mal ausprobieren ?
Prof. Dr. Hayo Schipper: Ja, aber beachten Sie die Möglichkeit, die erforderlichen Substanzen sehr preisgünstig auch im Lebensmittelmarkt oder in der Drogerie zu kaufen.
Moderatorin Doris Althofen: Unsere Chatrunde ist nun beendet. Wir bedanken uns bei unserem Experten Herrn Prof. Schipper und bei allen TeilnehmerInnen und würden uns freuen, Sie wieder bei uns begrüßen zu dürfen.
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