Mit großem Enthusiasmus sind 450 Hostatoschüler aus Frankfurt-Höchst im Oktober für die gute Sache gerannt: Zum zweiten Mal hatte die Grund- und Hauptschule einen „Run for Help“ ausgerichtet. Die Schüler wussten genau, für wen sie sich so ins Zeug legten: für MS-Betroffene in Frankfurt und Hessen. Im Vorfeld hatten die Schüler viel über die Erkrankung Multiple Sklerose und das Leben mit Behinderung erfahren. Vertreter der DMSG Hessen und eine MS-Betroffene hatten zuvor im Unterricht darüber berichtet. Beim Lauf, für den Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann die Schirmherrschaft übernommen hatte,  wurden die Kinder und Jugendlichen dann lautstark von Freunden und Mitschülern wie auch von Vertretern der DMSG Hessen angefeuert. Denn jede gelaufene Runde erhöht die Spendensumme, die nach dem Auszählen aller Runden und Einsammeln aller Beträge der hessischen MS-Selbsthilfeorganisation und der MS-Selbsthilfegruppe Frankfurt-Höchst übergeben wird.

Begeisterter Applaus schallte über die Sportanlage an der Hans-Böckler-Straße in Frankfurt-Unterliederbach. Mit lauten Rufen feuerten die Erst- bis Zehntklässler der Hostatoschule ihre Freunde und Mitschüler an, die gerade mit Feuereifer ihre Runden über die Sportplätze drehten und nur bei der Stempelstation mal eine kurze Atempause einlegten.

Die 450 Grund- und Hauptschüler wussten genau, dass sich jede gelaufene Runde in bare Münze umwandelt und es beim „Run for Help“ zugunsten MS-Betroffener nicht nur um die sportliche Leistung geht. Daran hatte auch Dagmar Spill, Vorsitzende der DMSG Hessen, in ihrer Begrüßung erinnert: „Ihr habt sehr viel über die Krankheit MS erfahren und wie schwer es ist, damit zu leben. Und umso toller ist es, dass Ihr mit Eurem ‚Run for Help‘ helfen wollt“, lobte die Vorsitzende.

Bevor sie das Startband durchschnitt, appellierte Dagmar Spill an die Schüler: „Gebt dafür Euer Bestes.“ Das taten die Grund- und Hauptschüler, die sich im Vorfeld des Wohltätigkeitslaufs Sponsoren gesucht hatten, die sich bereit erklärt hatten, für jede gelaufene Runde einen festgelegten Geldbetrag zu spenden, dann ausgiebig und voll Enthusiasmus und rannten wie entfesselt los, nachdem Dagmar Spill das Band durchtrennt hatte.

Von dem leidenschaftlichen Einsatz ihrer Schüler für die gute Sache zeigte sich auch Schulleiterin Marianna Papadopoulou in ihrer kurzen Ansprache sehr beeindruckt: „Das ist heute ein besonderer Tag. Ihr helft mit Eurem Lauf Menschen, die eine schwere Erkrankung haben. Und Ihr helft damit der DMSG Hessen, die den MS-Betroffenen im Alltag bei Seite steht.“ Angetan war die Schulleiterin vor allem von der Empathie der Grund- und Hauptschüler gegenüber der Erkrankung und MS-Betroffenen.

Diese Erfahrung hatte Marianna Papadopoulou bereits 2013 gemacht, als die Hostatoschule erstmals einen „Run for Help“ ausgerichtet hatte. Aufgrund der positiven Erfahrung war das Kollegium sofort dafür gewesen, erneut einen Sponsorenlauf für MS-Kranke auf die Beine zu stellen. Unter den Schülern befanden sich einige, die bereits an der Premiere vor fünf Jahren teilgenommen hatten.

„Es ist zwar anstrengend aber schön, für eine gute Sache zu laufen“, sagte etwa der 15-jährige Alessio aus der Klasse 9a, der schon 2013 am Start gewesen war. Mitschüler Nebil (15) sagte: „Das macht Spaß, und zugleich sammelt man auf die Art und Weise Spenden für kranke Menschen.“

Über so viel Engagement und Einsatzbereitschaft konnte sich Edeltraud Opper nur freuen. Die MS-Betroffene von der Selbsthilfegruppe Frankfurt-Höchst hatte gemeinsam mit Karin Herring, die bei der DMSG Hessen die Sponsorenläufe organisiert,  im Vorfeld des Laufs die Grund- und Hauptschulklassen besucht. Im Unterricht erzählten die beiden Frauen anschaulich den Erst- bis Zehntklässlern, was Multiple Sklerose mit dem Körper anstellt, wie es ist, damit zu leben, und mit welchen Einschränkungen sich ein Betroffener arrangieren muss.

„Die waren sehr interessiert, haben sehr konzentriert zugehört. Und haben mir eine Menge Fragen gestellt“, berichtete Edeltraud Opper, die aufgrund der Erkrankung einen Rollstuhl für die Fortbewegung nutzt: „Wie ich ins Bett komme? Wie ich auf die Toilette gehe? Was ich mache, wenn ich mit dem Rollstuhl nicht in den Bus oder die Bahn komme?“, zählte sie auf: „‘Tja, dann muss ich draußen bleiben‘, habe ich den Schülern erklärt. Und wenn ich Unterstützung brauche, habe ich zum Glück meinen Mann. Aber ich möchte so viel wie möglich selbständig machen.“ Sonja Thelen