Seine Leidenschaft fürs Radfahren macht den Darmstädter Klaus Vock zum Hoffnungsträger für viele an Multiple Sklerose Erkrankte. Denn mit seiner Darmstädter MS-Selbsthilfegruppe „Radfahrlust“ beweist er Jahr für Jahr, dass schwer MS-Betroffene im Liegerad unterwegs sein können. Mit großem organisatorischem Aufwand gestaltet der Initiator seit 2008 die jährliche Tour. Klaus Vock ermöglicht MS-Erkrankten ein Stück Freiheit und die Begegnung über Bundesländergrenzen hinweg. Für sein Engagement wurde er jetzt vom DMSG Bundesverband mit der Silbernen Ehrennadel ausgezeichnet, die ihm vom Schirmherrn der DMSG, Bundespräsident a.D. Christian Wulff, verliehen wurde.

Es ist ein Satz, der völlig verquer klingt, aber doch voll auf Klaus Vock zutrifft: „Wenn ich auf meinem Fahrrad liege, stehe ich mitten im Leben.“ Für Klaus Vock war es ein bitterer Schlag, als er wegen der Multiple Sklerose vor gut 15 Jahren auf sein heißgeliebtes Hobby Fahrradfahren verzichten musste.

„Ich war kein Radrennfahrer, aber ein Genussradler, der schon immer gern mit dem Rad durch den Odenwald fuhr und für den Fahrradfahren einfach Entspannung pur bedeutete“, erzählt der 54-Jährige. Doch massive Sehprobleme und Gleichgewichtsstörungen zwangen ihn, aufzuhören: „Durch die Doppelbilder und das Schwanken war ich völlig überfordert.“ Mit der Aufgabe dieses Hobbys brach ihm ein wichtiges Standbein weg, das ihm im Leben Halt gab. Und das ausgerechnet in einer Phase, in der ihm die Bewegung nicht nur körperlich gut getan hätte, sondern auch Mut und Zuversicht im Umgang mit der MS gegeben hätte.

Doch Klaus Vock steckte nicht auf. Im Gegenteil. 2007 erzählte ihm ein Freund von der SPEZI im südhessischen Germersheim – die größte Messe für Spezialräder. Dort entdeckte Klaus Vock die Liegedreiräder: Pausenlos drehte er an diesem Tag seine Runden auf dem Parcours. Keine Gleichgewichts- und keine Sehprobleme: Er setzte von da an alles dran, sich ein solches Spezialrad anzuschaffen, das einige Tausend Euro kostet – mit Erfolg. Seine positiven Erfahrungen und Gefühle mit dem Radfahren auf drei Rädern wollte er teilen und begann, andere MS-Betroffene fürs Fahrradfahren zu begeistern. Schon 2008 organisierte er die erste Radwandertour: 250 Kilometer von Freiburg nach Germersheim zur SPEZI. 2009 war er mit anderen MS-Betroffenen aus Südhessen Teilnehmer und Unterstützer an der „L’Odyssée de l’Espoir“ – eine Tour mit französischen Freunden im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Frankreich. 2010 stand die erste „Radfahrlust-Tour“ an.

Seither bereist die jährliche „Radfahrlust“ Bundesland um Bundesland, von Baden-Württemberg über Rheinland-Pfalz und Franken und zuletzt im September 2016 nach Nordrhein-Westfalen. Es geht um den Spaß an der Bewegung und am gemeinsamen Erlebnis“, betont Klaus Vock.

Er freut sich, wenn Frauen und Männer, die sonst körperlich sehr eingeschränkt sind, auf dem dreirädrigen Drahtesel erleben, zu was sie in der Lage sind. Seine Vision ist es, eine Tour nach Berlin unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten zu veranstalten.

Die jährliche „Radfahrlust“, die auch Schwerstbetroffenen das Radfahren ermöglicht, ist ein großer organisatorischer Aufwand: Touren planen, Übernachtungen in Turnhallen organisieren, die Verpflegung sicherstellen, Sponsoren und Unterstützer finden. Die „Radfahrlust-Tour“ ist mittlerweile zu einer festen Institution geworden; alljährlich sind gut 40 Gleichgesinnte und Gleichbetroffene über mehrere Tage mit dem Fahrrad unterwegs. So erleben Menschen mit einem Handicap wieder ein riesiges Stück Freiheit! Das Radfahren ist für die Beteiligten ein „Weg zurück ins Leben“. Von Anfang an unterstützt wurden sie von Spezialradherstellern mit Leihrädern. So konnte Klaus Vock andere MS-Betroffene motivieren, die Radfahrlust auf einem Liegedreirad auszuprobieren und „Freiheit auf drei Rädern“ zu erleben.
Auch im örtlichen MS-Stammtisch, in Darmstadt übernimmt Klaus Vock Organisation und Verantwortung. Ausführliche Informationen zu „Radfahrlust“ liefert die Broschüre „Freiheit auf drei Rädern“ und der Internetauftritt: www.radfahrlust.de.