13.05.2015 – Das 1. Pflegestärkungsgesetz seit Januar in Kraft und beinhaltet einige Neuerungen, die auch für MS-Betroffene interessant und wichtig sind.

Der Betrag bei vollstationärer Pflege erhöht sich auf 1330 Euro. Foto: JMG/Pixelio

Der Betrag bei vollstationärer Pflege erhöht sich auf 1330 Euro. Foto: JMG/Pixelio

Zum 1. Januar wurden fast alle Leistungsbeträge der Pflegeversicherung um vier Prozent erhöht. An sich ist diese Erhöhung nur eine Anpassung der Leistungen an die allgemeinen Preissteigerungen. Ausgenommen sind die Leistungen der Pflegestufe 0 für Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, die mit dem „Pflegeneuausrichtungsgesetz“ 2013 neu eingeführt wurde. Hier wird es in den nächsten zwei Jahren eine Anpassung in Höhe von 2,67 Prozent geben.

Was bedeutet das etwa für eine Person mit Pflegestufe 2?
Das Pflegegeld beträgt jetzt 458 Euro, bei Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes (Pflegesachleistung) stehen 1144 Euro zur Verfügung. Der Betrag bei vollstationärer Pflege erhöht sich auf 1330 Euro. Das Pflegegeld kann mit den Pflegesachleistungen kombiniert werden.

Verbesserungen bei Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege
Für beide Leistungen steht jetzt mehr Geld zur Verfügung: Der Betrag steigt von 1550 auf 1612 Euro. Auch Menschen mit der Pflegestufe 0 haben Anspruch auf Leistungen der Kurzzeitpflege. Verhinderungspflege kann bis zu sechs Wochen erbracht werden.

Neu ist auch, dass 50 Prozent( 806 Euro) des zur Verfügung stehenden Geldes für die Kurzzeitpflege zur Finanzierung der Verhinderungspflege verwendet werden kann .Somit steht ein Betrag in Höhe von 2418 Euro zur Verfügung. Es gibt verschiedene Modelle der sogenannten Ko-Finanzierung der einzelnen Leistungen. Welches Modell das günstigste ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.

Tagespflege und Nachtpflege
Diese Leistungen können neben dem Bezug des Pflegegelds oder der Pflegesachleistung voll in Anspruch genommen werden.

Betreuungs-und Entlastungsleistungen können von allen Pflegebedürftigen in Anspruch genommen werden. Bisher erhielten nur Menschen mit dauerhaft eingeschränkter Alltagskompetenz 104 Euro im Monat. Seit Januar steht dieser Betrag allen Pflegebedürftigen zur Verfügung. Es ist auch möglich, diese „niederschwelligen Angebote“ wie Hilfe im Haushalt oder „Alltagsbegleiter“ durch einen Teilbetrag (maximal 40 Prozent) der zur Verfügung stehenden Pflegesachleistung zu finanzieren. In der Praxis bedeutet das ein höheres Maß an Flexibilität bei der Nutzung von Leistungen. Leistungen für Pflegehilfsmittel werden von 31 auf 40 Euro pro Monat angehoben.

Jetzt ist es möglich, niederschwellige Angebote" wie Hilfe im Haushalt zu finanzieren. Foto: Damaris/Pixelio

Jetzt ist es möglich, niederschwellige Angebote“ wie Hilfe im Haushalt zu finanzieren. Foto: Damaris/Pixelio

Die Zuschüsse für notwendige wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wie Einbau von Rampen, Badumbauten oder Türverbreiterungen steigen auf 4000 Euro pro Maßnahme. Wenn mehrere Anspruchsberechtigte zum Zweck der gemeinschaftlich organisierten pflegerischen Versorgung zusammen wohnen, gibt es sogar bis zu 16.000 Euro.

Die Vereinbarkeit von Pflege, Familie und Beruf wird verbessert. Berufstätige, die kurzfristig eine Pflege organisieren müssen, können künftig eine bezahlte Auszeit für zehn Tage in Anspruch nehmen. Sie erhalten dann das „Pflegeunterstützungsgeld“ als Lohnersatzleistung, vergleichbar dem Kindergeld. Zur Finanzierung dieser Leistung werden 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Informationen unter www.bmfsfj.de

Verbesserungen im stationären Bereich
Um die Personalsituation in stationären Pflegeeinrichtungen zu verbessern, soll die Zahl der zusätzlichen Betreuungskräfte von 25.000 auf bis zu 45.000 Betreuungskräfte steigen.

Wie wird das alles finanziert?
Natürlich durch eine Erhöhung des Beitrages der Pflegeversicherung in zwei Schritten um 0,5 Prozent. Von den jährlichen Mehreinnahmen in Höhe von fünf Milliarden Euro fließen allerdings 1,2 Milliarden in einen Pflegevorsorgefonds.

Was ist weiter geplant?
Das erste Pflegestärkungsgesetz ist nur ein Teil der Pflegereform der Bundesregierung. Noch in dieser Legislaturperiode wird aller Voraussicht nach ein zweites Pflegestärkungsgesetz verabschiedet. Ziel ist die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, um eine bessere Berücksichtigung der individuellen Situation von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen zu erreichen Damit einhergehend wird ein neues Begutachtungsverfahren entwickelt. Die bisher geltenden drei Pflegestufen sollen in fünf Pflegegrade umgewandelt werden. Ausschlaggebend für die Einstufung wird der Grad der Selbstständigkeit sein: Was kann der Pflegebedürftige alleine, wo ist in welchem Umfang Hilfe und Unterstützung nötig? Wegfallen soll die Unterscheidung zwischen körperlichen und kognitiven /psychischen Einschränkungen.

Weitere Informationen unter www.pflegestaerkungsgesetz.de. Unter der Bestellnummer BMG-P-11004 kann eine übersichtliche Broschüre zu dem PSG angefordert werden, Tel: 030-182 72 27 21. Inke Reinhardt