08.12.2014 – Für ein Leben ohne Barrieren in den eigenen vier Wänden gibt es zahlreiche Zuschüsse und Fördermittel, um bei sich umbauen zu können. Wir haben eine Übersicht zusammengestellt.

Ein barrierefreies Bad erleichtert das Leben erheblich. Foto: Villeroy & Boch

Ein barrierefreies Bad erleichtert das Leben erheblich. Foto: Villeroy & Boch

Für ein aktives und selbstbestimmtes Leben, möchten Menschen auch im Alter so lange wie möglich in vertrauter Umgebung leben, auch dann, wenn die körperliche Gesundheit und Beweglichkeit eingeschränkt ist. Barrierefreiheit ist allerdings nicht alleine eine Frage des Lebensalters. Auch für junge Menschen sind ein ebenerdiger Zugang zum Haus, Räume ohne Schwellen, barrierefreies Badezimmer oder ein Aufzug zum Erreichen der Wohnung bei eingeschränkter Mobilität unabdingbar. Notwendige ambulante Hilfen oder die Versorgung von Angehörigen werden erleichtert, wenn eine Wohnung altersgerecht, barrierefrei oder zumindest barrierearm gestaltet und Mobilitätshilfen vorhanden sind.

Umbaumaßnahmen sind jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden, was sich nicht jeder leisten kann. Ein Umbau kann 2.000 Euro kosten, aber auch 40.000 Euro und mehr. Für die Realisierung eines komfortablen Wohnens für Menschen mit Behinderung oder für ein altersgerechtes Wohnen gibt es eine Reihe von Anlaufstellen, an die sich Betroffene wenden können, um Fördermittel oder Zuschüsse zu erhalten.

Pflegekasse und Krankenkasse

Bei den Pflegekassen können Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen oder Umzug in eine barrierefreie Wohnung beantragt werden. Die Bezuschussung beträgt maximal 2.557 Euro pro Baumaßnahme oder Umzug. Voraussetzung ist mindestens die Pflegestufe 1. Unabhängig von der Pflegestufe übernimmt die Krankenkasse mobile Stütz- und Haltegriffe und Klappstützgriffe, Toilettensitzerhöhung, Badewannenlifter, Pflegebett und weitere Hilfsmittel. Voraussetzung ist eine Hilfsmittelverordnung vom Arzt.

Wohnbauförderprogramme (Hessen) / Kommunale Förderprogramme
Die Länder fördern einen Neu- oder Umbau mit Anpassungen „an die Belange von Menschen mit Behinderung“. Diese Zuschüsse gibt es in unterschiedlichen Höhen und unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Anträge müssen beim Landratsamt oder bei der kreisfreien Stadt (Stadtplanungsamt) gestellt werden. Es kann sich hierbei um einkommensabhängige Zuschüsse oder Darlehen handeln. Beim Bau oder behindertengerechten Umbau von selbst genutztem Wohneigentum sowie behindertengerechten Umbau an und in bestehenden Wohngebäuden besteht in Hessen Fördervorrang. Bezuschusst werden Haushalte, bei denen wegen einer Behinderung eines Haushaltsangehörigen ein besonderer baulicher Bedarf besteht.

Auch Haltegriffe werden gegebenenfalls gefördert. Foto: E. Arnold/Pixelio

Auch Haltegriffe werden gegebenenfalls gefördert. Foto: E. Arnold/Pixelio

Rehabilitationsträger oder Integrationsämter: Teilhabe am Arbeitsleben
Behinderte Berufstätige können Zuschüsse oder verbilligte Darlehen erhalten, die „der Beschaffung, der Ausstattung und der Erhaltung einer behinderungsgerechten Wohnung in angemessenem Umfang“ dienen. Zuständig ist die Rentenkasse, wenn der Antragsteller bereits 15 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt hatte, ansonsten das Integrationsamt. Freiberufliche oder Selbstständige wenden sich ebenfalls an das Integrationsamt.

Unfallversicherung oder Berufsgenossenschaft

Die gesetzliche Unfallversicherung oder die Berufsgenossenschaft ist zuständig, falls die Behinderung wegen eines Betriebsunfalls oder einer Berufskrankheit zustande kam und zwar unabhängig von Einkommen und Vermögen, werden alle notwendigen baulichen Anpassungsmaßnahmen in voller Höhe übernommen.

Stiftungen

Stiftungen leisten oftmals nur dann, wenn die Gesamtfinanzierung sich lückenlos aus Eigenmitteln und Zuschüssen zusammensetzen. Bei einigen Stiftungen sind Kredite ausgeschlossen oder auch Eigenmittel. Die Stiftungen unterstützen gemäß dem Stiftungszweck durch Zuschüsse. Bei manchen Stiftungen ist ein Sozialbericht einer unabhängigen Stelle vonnöten. www.stiftungen.org

Kfw-Kredit

Auch die bundeseigene Förderbank, Kreditinstitut für Wiederaufbau, fördert den Abbau von Barrieren in Wohngebäuden oder für Neubauten mit einem zinsvergünstigtem Darlehen. Das Kfw-Programm „Altersgerecht Umbauen“ können von Vermietern als auch selbstnutzenden Eigentümern unabhängig vom Alter, Gesundheitszustand und Einkommen in Anspruch genommen werden.

Sozialhilfeträger: Grundsicherung/Arbeitslosengeld II

Leistungsbezieher der Grundsicherung kann das Grundsicherungsamt / Sozialamt und bei Arbeitslosengeld II das Jobcenter notwendige Umbauten mitfinanzieren.

Wichtig:

Mit der Baumaßnahme darf niemals vor der Antragstellung begonnen werden. Erst mit dem schriftlichen Bewilligungsbescheid des Kostenträgers kann der Wohnungsumbau begonnen werden.

Informationen und Beratung DMSG LV Hessen

Oftmals kommen für eine Baumaßnahme mehrere Zuschussmöglichkeiten in Frage. Auch wenn man sich umfangreich über die Voraussetzungen und Förderzwecke der einzelnen Programme informieren muss, es wird sich im Endeffekt lohnen. Beratung zu Finanzierungsmöglichkeiten und Zuschüsse in den Beratungsstellen der DMSG LV Hessen. Selbstverständlich übernehmen wir auch die Antragstellungen.

Info

Finanzierungstipps anhand praktischer Beispiele, sowie Kostenbeispiele finden Sie in der Broschüre „Barrierefrei umbauen und bauen – mehr Lebensqualität für alle“. Sie können die Broschüre kostenlos anfordern. Senden Sie hierfür einen an sich selbst adressierten und mit 1,45 Euro frankierten Rückumschlag (DIN A 5) an den Verband der Privaten Bausparkassen, Klingelhöferstraße 4, 10785 Berlin. Doris Althofen